MR/4.7.1997/Christian de Duve "Aus Staub geboren - Leben als kosmische Notwendigkeit"/Seite 22
"Wenn wir diese Probleme nicht in allernächster Zukunft in den Griff bekommen, insbesondere die Bevölkerungsexplosion, die die Wurzel der meisten Übel ist, wird die natürliche Selektion das für uns erledigen, aber dann mit tragischen Folgen für die Menschheit und für große Teile der übrigen Welt des Lebendigen"
...
"Gleichgültig, was geschieht - das Leben wird sich erholen, wie schon so viele Male in der Vergangenheit nach größeren weltweiten Katastrophen."

MR/10.7.1997/Jaques Monod "Zufall und Notwendigkeit"/Seite 204 /"Das Erklärungsbedürfnis"
"Einige hunderttausend Jahre lang stimmte das Schicksal eines Menschen mit dem Los seiner Horde, seines Stammes überein, außerhalb dessen er nicht überleben konnte. Der Stamm konnte nur überleben und sich verteidigen durch seinen Zusammenhalt. Deshalb hatten die Gesetze, mit deren Hilfe die Geschlossenheit des Stammes organisiert und garantiert wurde, eine so ungeheuere Gewalt über die Einzelnen. Vielleicht konnte der Mensch die Gesetze manchmal übertreten, aber sicher hätte niemand daran gedacht, sie in Frage zu stellen. Bei der immensen Bedeutung, die derartige Sozialstruckturen für die Selektion notwendig annehmen mußten und sie während so langer Zeiträume innehatten, kommt man schwerlich um den Gedanken herum, daß sie die genetische Evolution der angeborenen Kategorien des menschlichen Gehirns beeinflußt haben müssen. Durch diese Evolution mußte nicht nur die Bereitschaft gesteigert werden, das Stammesgesetz zu akzeptieren, sie mußte auch das Bedürfnis wecken, es durch eine mythische Erklärung zu begründen und ihm dadurch Herrschaftsgewalt zu verleihen. Wir sind die Nachfahren dieser Menschen. Von ihnen haben wir zweifellos das Bedürfnis nach einer Erklärung geerbt - jene Angst, die uns zwingt, den Sinn des Daseins zu erforschen. Diese Angst ist die Schöpferin aller Mythen, aller Religionen, aller Philosophien und selbst der Wissenschaft."

Seite 207/" Die Aufhebung des >>Alten<< animistischen >>Bundes<< und die geistige Not der Neuzeit"
"... - dann ist es begreiflich, daß so viele Tausende von Jahren vergehen mußten, bis die Idee der objektiven Erkenntnis als der einzigen Quelle authentischer Wahrheit im Reich der Ideen erschien.
Diese strenge und nüchterne Idee, die keine Erklärung bietet, sondern asketischen Verzicht auf jede weitere geistige Nahrung fordert, konnte die angeborene Angst nicht beruhigen; im Gegenteil - sie steigerte sie aufs höchste. Sie wollte eine hunderttausendjährige, ganz dem menschlichen Wesen assimilierte Tradition mit einem Schlage auslöschen; sie hob den alten animistischen Bund des Menschen mit der Natur auf und hinterließ anstelle dieser unersetzlichen Verbindung nur ein ängstliches Suchen in einer eisigen, verlorenen Welt. Wie konnte eine solche Idee, für die nichts als eine puritanische Anmaßung zu sprechen schien, akzeptiert werden? Sie ist nicht akzeptiert worden, bis heute noch nicht. Wenn sie sich trotzdem durchgesetzt hat, dann allein aufgrund ihrer erstaunlichen Leistungsfähigkeit."

S. 208
"Die Gesellschaft der Neuzeit hat die Reichtümer und Möglichkeiten akzeptiert, welche die Wissenschaft ihr eröffnete. Doch die wichtigste Botschaft der Wissenschaft hat sie nicht akzeptiert, sie hat sie kaum wahrgenommen: daß eine neue und ausschließliche Quelle der Wahrheit bestimmt worden ist;"

S. 209
"Ungeachtet dessen lassen sich alle diese im Animismus verwurzelten Systeme nicht mit der objektiven Erkenntnis und der Wahrheit vereinbaren; sie stehen der Wissenschaft gleichgültig und schließlich sogar feindselig gegenüber: sie wollen sich die Wissenschaft zunutze machen, aber sie wollen sie nicht respektieren und ihr dienen. So groß ist die Kluft und so offenkundig die Lüge, daß es das Gewissen eines jeden Menschen quält und zerreißt, der über einige Kultur und Intelligenz verfügt und von jener moralischen Angst nicht losgelassen wird, die die Ursache allen Schaffens ist. Das trifft alljene, die für die Entwicklung der Gesellschaft und der Kultur Verantwortung tragen oder tragen werden.
Die geistige Not der Moderne - das ist die Lüge, die dem moralischen und gesellschaftlichen Dasein zugrunde liegt. Dieses mehr oder weniger undeutlich diagnostizierte Leiden ruft das Gefühl von Furcht, wenn nicht sogar Haß hervor - auf jeden Fall ein Gefühl der Entfremdung, das heute so viele Menschen angesichts der wissenschaftlichen Zivilisation empfinden. Diese Aversion kommt offen zumeist gegenüber den technischen Nebenprodukten der Wissenschaft zum Ausdruck: die Bombe, der Zerstörung der Natur und der bedrohlichen Bevölkerungsentwicklung."

S. 211
"Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muß der Mensch endlich aus einem tausendjährigen Traum erwachen und seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Er weiß nun, daß er seinen Platz wie ein Zigeuner am Rande des Universums hat, das für seine Musik taub ist und gegen seine Hoffnungen , Leiden oder Verbrechen.
Aber wer bestimmt denn, was ein Verbrechen ist? Wer benennt das Gute und das Böse? In allen überlieferten Systemen gingen die Ethik und die Wertvorstellungen über die Verstandskraft des Menschen hinaus. Er war nicht Herr über die Werte: Sie waren ihm aufgezwungen, und er war ihnen unterworfen. Nun weiß er, daß sie allein seine Sache sind, und macht er sie sich schließlich untertan, dann scheinen sie sich in der gleichgültigen Leere des Universums aufzulösen. Darum wendet der moderne Mensch sich von der Wissenschaft ab oder vielmehr gegen sie; er kann jetzt ihre schreckliche Zerstörungskraft ermessen, die sich nicht nur gegen den Leib, sondern gerade gegen den Geist richtet."

S. 119
"Der Alte Bund ist zerbrochen; der Mensch weiß endlich, daß er in der teilnahmslosen Unermeßlichkeit des Universums allein ist, aus dem er zufällig hervortrat. Nicht nur sein Los, auch seine Pflicht steht nirgendwo geschrieben. Es ist an ihm, zwischen dem Reich und der Finsternis zu wählen."

Demokrit:
"Alles, was im Weltall existiert, ist die Frucht von Zufall und Notwendigkeit."

MR/17.7.1997/Jack Cohen, Ian Stewart "Chaos und Antichaos - Ein Ausblick auf die Wissenschaft des 21. Jahrhunderts"
S. 27
"Platon sagte: >>Gott ist ein Geometer<<. Paul Dirac nannte Gott einen Mathematiker. Noch weiter ging James Jeans, indem er als Fachgebiet Gottes die reine Mathematik nannte."
"Vor rund dreißig Jahren beklagte der Mathematiker René Thom, daß die Biologie >>ein Friedhof von Tatsachen<< sei. Viele Biologen protestierten energisch, in der Meinung, Thom beklage die Tatsachen. Doch was er beklagte, war der Friedhof. Er wünschte sich eine Theorie, die all die Tatsachen organisiert und Leben in den Friedhof bringt."

S. 148
" Dieser Widerstand ist nun, welcher alle Kräfte des Menschen erweckt, ihn dahin bringt, seinen Hang zur Faulheit zu überwinden und, getrieben durch Ehrsucht, Herrschsucht oder Habsucht, sich einen Rang unter seinen Mitgenossen zu verschaffen, die er nicht wohl leiden, von denen er aber auch nicht lassen kann."

S. 22
"..., weil sie sich unmittelbar ans Volk wenden, welches aus Idioten besteht (wie etwa der Klerus an die Laiker), ..."

S. 162
"Verzögertes Feedback erzeugt Schwingungen, ..."

MR/21.7.1997/Cohen, Stewart "Chaos und Antichaos ..."
S. 219
"Manche Wissenschaftler, unter ihnen Roger Penrose in seinem Buch >Computerdenken<, führen den freien Willen auf die Unbestimmtheit der Quantenmechanik zurück. Diese Auffassung ist problematisch, nicht zuletzt deshalb, weil sie den freien Willen mit dem Roulette auf eine Stufe zu stellen scheint. Wir entscheiden nicht, wir werfen lediglich den Quanten-Würfel. Ist man dadurch nicht ebenso determiniert, wie wenn man gar keine Wahl hat?"
"Wir denken nicht nur, sondern wir denken auch, wir könnten unser eigenes Denken überwachen."

S. 221
"Wenden wir Searls Argument auf Ihr Gehirn an, so bedeutet es, daß Sie bloß denken, Sie seien intelligent, während Sie in Wahrheit nichts anderes tun, als eine ungeheuer lange Liste von Regeln, Meta-Regeln, Meta-Meta-...-Regeln anzuwenden, die Sie von Ihren Eltern, Ihrer Kultur, der Schule, dem Fernsehen und so weiter übernommen haben. In Wirklichkeit sind Sie also nur eine dumme organische Maschine, und Sie exerzieren mechanisch etwas durch, ohne zu verstehen, was Sie tun."

S. 222
"..., aber die Ansicht, das Gehirn sei nicht den Gesetzen der Physik unterworfen, ist nur eine kaum verhüllte Form des kartesianischen Dualismus."
"Die starke KI steht außer Frage. Natürlich ist eine intelligente Maschine möglich - im Prinzip."

S. 223
"..., der Geist ist kein Ding, sondern ein Prozeß, und das woraus er hervorgeht, sind die kollektiven Wechselwirkungen entsprechend organisierter Teile gewöhnlicher Materie."

S. 230
"..., und zum Glück gibt es Ockhams Rasiermesser, eine philosophische Regel, die empfiehlt, keine unnötigen Annahmen zu machen."

S. 232
"In Wirklichkeit besitze ich gar kein Bewußtsein. Ich denke nur, ich hätte eines. Descartes sagte: >> Ich denke, also bin ich <<, doch überzeugender währe gewesen, wenn er gesagt hätte: >>Ich denke, daß ich bin<< ."

MR/13.12.1997/Herzog-Rede zum 200. Heine-Geburtstag
"... Die Wahrheit ist nicht automatisch bei der Mehrheit - auch nicht in einer Demokratie - und erst recht nicht bei den jeweils Herrschenden."

MR/14.12.1997/"Sofies kleines Lexikon" (Beilage zum Buch "Sofies Welt" von Jostein Gaarder)
"... Der Nihilist ist chronisch müde, weil er alles durchschaut, alles begriffen hat und aus allem die Konsequenz zieht: Es lohnt nicht, das Leben, denn an seinem Horizont sind die großen Erwartungen, Hoffnungen, Träume verzogen, und man sieht nur noch, was vorher schon dort zu sehen war: nämlich nichts."

MR/20.12.1997/Götz Wegener (AK HoPo)
"Wer sich bewegt, spürt die Ketten"

MR/20.12.1997/Deutschlandfunk/ Beitrag zur Aufhebung der Vermarktung von Fußballeuropapokalspielen durch den DFB
" Es sind stets die Reichen, die bestimmen, wie teuer Solidarität sein darf"

18.01.1998/Bill Gates "Der Weg nach vorn – Die Zukunft der Informationsgesellschaft"/S.61
" Der Erfolg ist ein schlechter Lehrmeister. Er läßt gescheite Leute glauben, sie könnten nicht verlieren"

31.01.1998/ Kandel, Schwarz, Jessel " Neurowissenschaften"/ S.710
" Unter Neurowissenschaftlern dominiert derzeit die Grundannahme, daß alle mentalen Prozesse biologischer Natur sind und jede Veränderung dieser Prozesse ein organisches Korrelat hat."

21.02.1998/ Robert Pool "Evas Rippe – Das Ende des Mythos vom starken und vom schwachen Geschlecht"/ S.76
" Der eigentliche Grund für das Festhalten an diesen Mythen über Mann und Frau sei, so Maccoby und Jacklin, >> die Tatsache, daß stereotype Vorurteile so übermächtig sind <<. Wenn sie einmal in einer Gruppe gegriffen haben, tendieren sie dazu, sich selbst zu verewigen: >> Sobald sich ein Mitglied der betreffenden Gruppe in der erwarteten Weise verhält, bemerkt der Bobachter das, und sein Glaube wird bestätigt und bestärkt; verhält sich ein Mitglied der Gruppe in einer Weise, die nicht den Erwartungen entspricht, dann wird der Vorfall mit einiger Warscheinlichkeit unbemerkt bleiben, und der verallgemeinernde Glaube des Beobachtenden bleibt vor Erschütterungen seiner selbst geschützt.<<"

09.03.1998/MR/ Richard Dawkins " Das egoistische Gen"
S. VIII Vorwort
" Klischee oder nicht, die Formulierung >>seltsamer als eine Fiktion<< drückt genau das aus, was ich bei der Wahrheit empfinde. Wir sind Überlebensmaschinen – Roboter, blind programmiert zur Erhaltung der selbstsüchtigen Moleküle, die Gene genannt werden."

S.3 " Laßt uns verstehen, lernen was unsere egoistischen Gene vorhaben, und wir haben dann vielleicht die Chance, ihre Pläne zu durchkreuzen, etwas, das keine andere Art bisher jemals angestrebt hat.
Noch ein Zusatz zu dieser Bemerkung über das Lehren und Lernen: es ist ein Truglschluß – nebenbei gesagt ein häufiger – anzunehmen, daß genetisch ererbte Merkmale per definitionem feststehend und unveränderbar sind."

S.9 " ..., die Evolution ist blind gegenüber der Zukunft."

S.22 " Wieviel Leid hat es gegeben unter den Menschen, weil zu viele von uns nicht begreifen können, daß Worte nur Werkzeuge sind, die wir benutzen, und daß die bloße Existenz eines Wortes wie >>lebendig<< in unserem Lexikon nicht zwangsläufig bedeutet, daß es sich auf etwas Bestimmtes in der realen Welt beziehen muß."

S.30 "Für unsere Zwecke ist das Wort Allel gleichbedeutend mit Rivale"

MR/10.03.1998/S.43

" Jedes Gen, welches sich so verhält, daß es seine eigenen Überlebenschancen im Genpool auf Kosten seiner Allele vergrößert, wird definitionsgemäß dazu neigen, zu überleben – das ist eine Tautologie."

S.44 (Ruderbootmetapher, Rekombination, Sex)

" Ein einzelner Ruderer, auf sich allein gestellt, kann die Ruderregatta zwischen Oxford und Cambridge nicht gewinnen. Er braucht acht Kameraden, die mitrudern. Jeder dieser Kameraden ist ein Spezialist, der stets in einem bestimmten Teil des Bootes sitzt – entweder im Bug oder am Platz des Schlagmannes, des Steuermannes usw."

S.46 " Kompliziert deshalb, weil die >>Umwelt<< eines Gens überwiegend aus anderen Genen besteht, von denen jedes selbst wiederum wegen seiner Fähigkeit selektiert worden ist, mit seiner Umwelt von anderen Genen zusammenzuarbeiten."

S.48 " Es mag sein, daß ein Großteil der Evolution aus genetisch gesteuerten Veränderungen des Zeitpunktes besteht, zu dem die Genaktivität einsetzt."

S. 68 " Die Gene können das Problem, in ziemlich unvorhersagbaren Umwelten Voraussagen machen zu müssen, unter anderem dadurch lösen, daß wie eine gewisse Lernfähigkeit einbauen. Dabei nimmt das Programm vielleicht die Form folgender Instruktionen an die Überlebensmaschine an: >>Hier ist eine Liste von Dingen, die als lohnend definiert sind: süßer Geschmack im Mund, Orgasmus, milde Temperaturen, lächelndes Kind. Und hier ist eine Liste von unangenehmen Dingen: verschiedene Arten von Schmerz, Übelkeit, leerer Magen, schreiendes Kind. Wenn du zufällig etwas tust, was eines der unangenehmen Dinge nach sich zieht, so tue es nicht wieder; andererseits wiederhole alles, was eines der angenehmen Dinge zur Folge hat.<< Der Vorteil dieser Art des Programmierens liegt darin, daß die Anzahl der detaillierten Vorschriften, die in das Orginalprogramm eingebaut werden müssen, beträchtlich verringert wird. Darüber hinaus ist diese Art des Programmierens ebenfalls in der Lage, Änderungen in der Umwelt gerecht zu werden, die nicht im einzelnen hätten vorausgesagt werden können. Andererseits müssen bestimmte Voraussagen trotzdem noch gemacht werden. In unserem Beispiel sagen die Gene voraus, daß süßer Geschmack im Mund und Orgasmus >>gut<< sind in dem Sinne, daß Zuckeressen und Kopulieren für das Überleben der Gene wahrscheinlich von Vorteil sind. Die Möglichkeit, daß ein Individuum Saccharin verzehrt oder masturbiert, sind in diesem Beispiel nicht vorausgesehen, und ebenso wenig vorausgesehen sind die Gefahren des übermäßigen Zuckergenusses in unserer Umwelt, wo Zucker in unnatürlicher Menge vorhanden ist."

MR/ 12.03.1998/ S. 68 " Eine der interessantesten Methoden der Zukunftsvorhersage ist die Simulation."

S. 69 " Natürlich gibt es gute Modelle von der Welt und schlechte, und selbst die guten sind nur Annäherungen. Keine noch so große Zahl von Simulationen kann genau vorhersagen, was in der Realität geschehen wird, aber dennoch ist eine gute Simulation dem blinden Hin- und Herprobieren bei weitem vorzuziehen."

S.71 " Welches auch immer die philosophischen Probleme sein mögen, die das Bewußtsein aufwirft, für die Zwecke dieser Darstellung können wir es uns als den Höhepunkt eines evolutionären Trends zur Emanzipation der Überlebensmaschinen in ihrer Funktion als ausführende Entscheidungsträger von denen, die letzten Endes ihre Meister sind, den Genen, vorstellen. Nicht nur, daß das Gehirn für das tägliche Abwickeln der Angelegenheiten der Überlebensmaschinen verantwortliche ist, es hat darüber hinaus die Fähigkeit erworben, die Zukunft vorherzusagen und entsprechend zu handeln. Die Überlebensmaschinen haben sogar die Macht, gegen das Diktat der Gene zu rebellieren, beispielsweise indem sie sich weigern, so viele Kinder zu haben, wie sie können. Doch in dieser Beziehung ist der Mensch ein sehr spezieller Fall, wie wir noch sehen werden."

S.86 " Oberflächlich betrachtet, erinnert dies ein wenig an Gruppenselektion, in Wirklichkeit ist es jedoch nichts dergleichen. Es klingt wie Gruppenselektion, weil wir in die Lage versetzt werden, uns vorzustellen, daß einen Population ein stabiles Gleichgewicht besitzt, zu dem sie nach einer Störung zurückzukehren tendiert. Doch die ESS ist eine sehr viel subtilere Vorstellung als die Gruppenselektion. Sie hat nichts damit zu tun, daß einige Gruppen erfolgreicher sind als andere." (ESS = Evolutionär stabile Strategie)

S. 101 (Erweiterung der Ruderbootmetapher à simulieren!)

" Nehmen wir an, bei einer wirklich erfolgreichen Mannschaft sei es wichtig, daß die Ruderer ihre Bewegungen mit Hilfe der Sprache koordinieren. Nehmen wir weiter an, von dem dem Trainer zur Verfügung stehenden Reservoir von Ruderern sprächen einige nur englisch und andere nur deutsch."

S.102 (Simulation) z.B. ideal: vier Rechtshänder und vier Linkshänder

S.102 " Der Genpool ist die langfristige Umwelt des Gens. Gene werden durch blinde Selektion ausgewählt, es sind diejenigen, die im Genpool überleben. Dies ist keine Theorie, es ist noch nicht einmal eine beobachtete Tatsache: es ist einfach eine Tautologie."

S. 105 " Wenn wir uns die Freiheit nehmen, über Gene zu sprechen, als ob sie bewußte Ziele verfolgten – wobei wir uns immer wieder rückversichern müssen, daß wir unsere etwas saloppe Sprachein eine korrekte Ausdrucksweise zurückübersetzen können, wenn wir wollen - ..."

S.107: zwei Aufsätze von W.D.Hamilton (1964) werden erwähnt

S.108: Altruismus-Gen, Verwandtenerkennung ...(Simulation)

S. 118 " Die Tiere müssen von ihren Genen eine einfache Richtschnur zum Handeln bekommen, eine Richtschnur, die kein allwissendes Erkennen der höchsten Ziele dieses Handelns erfordert, sondern eine Regel, die dessen ungeachtet funktioniert, zumindest unter durchschnittlichen Bedingungen. Wir Menschen sind mit Regeln vertraut, und sie sind derart mächtig, daß wir – wenn wir kleinlich sind – einer Regel eher gehorchen, selbst wenn wir sehr wohl erkennen können, daß es weder für uns noch für irgend jemanden sonst gut ist. Beispielsweise würden orthodoxe Juden und Moslems eher sterben, als gegen ihre Regel, kein Schweinefleisch zu essen, zu verstoßen."

S.123: evolutionäres Wettrüsten am Beispiel von Brutparasiten (Kuckuck) à Eierkennung gegen Nachahmung der Wirtseier

MR/13.03.1998/Richard Dawkins "Das egoistische Gen"

S. 126 " Bei vielen Arten kann eine Mutter ihrer Jungen sicherer sein als ihr Vater. Die Mutter legt das sichtbare, greifbare Ei oder trägt das Kind aus. Sie hat eine gute Chance, die Träger ihrer Gene mit Sicherheit zu kennen. Der arme Vater ist der Täuschung sehr viel mehr ausgeliefert. Man muß daher erwarten, daß die Väter weniger Anstrengungen in die Pflege der Jungen investieren als die Mütter."

S.131: Bevölkerungswachstum

" Die Namen einiger dieser Gründe lauten Hungersnot, Seuchen und Krieg oder, wenn wir Glück haben, Geburtenkontrolle. Es hat keinen Zweck, sich auf wissenschaftliche Fortschritte in der Landwirtschaft zu berufen – auf >>grüne Revolutionen<< und dergleichen. Steigerungen in der Nahrungsmittelproduktion mögen zwar vorübergehend die Schwere der Situation erleichtern, doch es ist mathematisch sicher, daß sie auf lange Sicht keine Lösung sein können; ..."

S.138 "Aber der Wohlfartsstaat ist eine sehr unnatürliche Sache."

S.139: Empfängnisverhütung=unnatürlich, Wohlfahrtsstaat=unnatürlich à kein unnatürlicher Wohlfahrtsstaat ohne unnatürliche Geburtenkontrolle

MR/15.03.1998/

S. 164" Wenn für den Menschen eine Moral daraus zu ziehen ist, dann die, daß wir unsere Kinder zur Selbstlosigkeit erziehen müssen, denn wir können nicht damit rechnen, daß Selbstlosigkeit zu ihrer biologischen Natur gehört."

S.165:"Der Krieg der Geschlechter" {Anm.: Vorteil von Sex: Gene verschaffen sich durch Rekombination eine bessere "Gen-Umwelt" und dadurch mehr Nachkommen (à Entstehung von Sexualität/Rekombination simulieren)}

S.166 :Anisogamie (à simulieren)

S.167 " Der Kinderzahl, die ein Weibchen haben kann, ist daher eine Grenze gesetzt, während die Zahl der Kinder, die ein Männchen haben kann praktisch unbegrenzt ist. Dies ist der Ursprung der Ausbeutung des weiblichen Geschlechts."

S.170/171: Geschlechterproportion (à simulieren)

S.172 " Daher ist es, wenn überhaupt einer der Gatten den anderen im Stich läßt, vermutlich eher der Vater, der die Mutter verläßt, und nicht umgekehrt. Gleichermaßen kann man erwarten, daß die Weibchen nicht nur zu Beginn, sondern auch während der gesamten Entwicklung der Jungen mehr in diese investieren als die Männchen. So ist es bei den Säugetieren zum Beispiel das Weibchen, das den Fötus in ihrem Körper austrägt, das Weibchen, das die Milch produziert, um nach der Geburt zu säugen, das Weibchen, das den Hauptteil der Last seiner Aufzucht und seines Schutzes trägt. Das weibliche Geschlecht wird ausgebeutet, und die grundlegende evolutionäre Basis für diese Ausbeutung ist die Tatsache, daß Eier größer sind als Samen."

S.175 "Boshaftigkeit um ihrer selbst willen ist sinnlos."

"Trivers drückt es so aus, daß der zurückgebliebene Partner in eine >>grausame Bindung<< (cruel bind) hineingestellt wird."

S.176 " ..., die Strategie der >>trauten Häuslichkeit<< (domestic bliss) und die des >>Vollblutmannes<<."

S.177 "Wie bei Maynart Smiths Analyse bezieht sich auch hier der Ausdruck >>Strategie<< auf ein blindes, unbewußtes Verhaltensprogramm."

181 " In der Praxis ist es jedoch unwahrscheinlich, daß eine Braut ihrem Freier derart willkürliche Aufgaben wie das Drachentöten oder die Suche nach dem heiligen Gral auferlegt. Der Grund ist, daß rivalisierende Frauen, die nicht weniger schwere, für sie und die Kinder jedoch nützlichere Aufgaben verlangen, den romantisch gesinnten, eine zwecklose Liebesmüh fordernden Frauen gegenüber im Vorteil sind."

S.186/187: Die Schwänze der Paradisvogelmännchen

"Oder vielleicht waren kurzschwänzige Männchen nicht besonders gut, wenn es darum ging, vor Räubern davonzulaufen und bekamen somit ihre Schwänze abgebissen. Man beachte, daß wir nicht anzunehmen brauchen, der kurze Schwanz an sich sei genetisch vererbt worden, sondern lediglich, daß er als Zeichen für genetische Unterlegenheit diente."

S.133 " Diese erstaunliche Vielfalt läßt vermuten, daß die Lebensweise des Menschen in hohen Maße von der Kultur und weniger von den Genen bestimmt wird."

S.206 " Daraus folgt, daß bei Hautflüglern ein Weibchen mit seinen leiblichen Schwestern näher verwandt ist als mit seinen Nachkommen beiderlei Geschlechts. Wie Hamilton erkannte (obwohl er es nicht ganz genauso formulierte), könnte dieser Umstand sehr wohl ein Weibchen dazu prädisponieren, seine eigene Mutter als effiziente Schwester-Erzeugungsmaschine zu >>betreiben<<. Ein Gen für die stellvertretende Herstellung von Schwestern kopiert sich schneller als ein Gen für die direkte Erzeugung von Nachkommen. Hieraus entwickelte sich die Unfruchtbarkeit der Arbeiterinnen. Es ist vermutlich kein Zufall, daß echte Gesellschaftlichkeit mit Sterilität der Arbeiterinnen sich bei den Hymenopteren nicht weniger als elf mal unabhängig voneinander entwickelt hat und im gesamten übrigen Tierreich nur ein einziges Mal, nämlich bei den Termiten."

S.220 "Beim Menschen sind langes Erinnerungsvermögen und die Fähigkeit Individuen zu erkennen, gut entwickelt. Wir müssen daher erwarten können, daß der gegenseitige Altruismus bei der Entwicklung des Menschen eine bedeutende Rolle gespielt hat. Trivers geht sogar so weit, daß er die Vermutung äußert, viele unserer charakteristischen psychologischen Merkmale – Neid, Schuldgefühle, Dankbarkeit, Sympathie usw. – seien von der natürlichen Auslese geformt worden, damit der Mensch besser betrügen, Betrügereien entdecken sowie besser vermeiden kann, für einen Betrüger gehalten zu werden. Von besonderem Interesse sind die >>raffinierten Betrüger<<, bei denen es so aussieht, als revanchierten sie sich, die aber durchweg etwas weniger zurückzahlen als sie erhalten. Es ist sogar möglich, daß sich das vergrößerte Gehirn des Menschen und seine Veranlagung für mathematisches Denken als ein Mechanismus immer ausgefeilteren Betrügens und immer scharfsinnigeren Erkennens von Betrug bei anderen herausgebildet hat. Geld ist ein formales Symbol für den verzögerten gegenseitigen Altruismus."

S.227 "Betrachten wir die Idee >>Gott<<."

"Es liefert eine auf den ersten Blick einleuchtende Antwort auf unergründliche und beunruhigende Fragen über das Dasein."

S.228 "Gott existiert, und sei es auch nur in Gestalt eines Mems, das in der von der menschlichen Kultur geschaffenen Umwelt einen hohen Überlebenswert oder eine hohe Ansteckungsfähigkeit besitzt."

"Einige meiner Kollegen ... wollen wissen, warum sie große psychologische Anziehungskraft besitzt. ... Sie wollen herausfinden, auf welche Art und Weise der Besitz eines derartigen Gehirns das Genüberleben verbessert."

S.231 " Viel von dem, was Darwin sagte, ist im einzelnen falsch."

"Wenn wir beispielsweise sagen: >>Die Gene versuchen, ihre Zahl in zukünftigen Genpools zu vergrößern<<, so meinen wir damit in Wirklichkeit: >>Gene, die sich so verhalten, daß sie ihre Zahl in zukünftigen Genpools vergrößern, werden schließlich diejenigen sein, deren Wirkung wir auf der Welt feststellen.<<"

S.232 " Das menschliche Gehirn und der Körper, den es steuert, können nicht mehr als eines oder wenige Dinge gleichzeitig tun. Wenn ein Gen die Aufmerksamkeit eines menschlichen Gehirns in Anspruch nehmen will, so muß es dies auf Kosten >>rivalisierender<< Meme tun. Andere Güter, um die Meme konkurrieren, sind Rundfunk- und Fernsehzeit, Raum auf Anschlagtafeln und in Zeitungsspalten sowie Bücherschrankplatz."

S.233 "Ein werteres Glied des religiösen Memkomplexes heißt Glauben. Es bedeutet blindes Vertrauen – blindes vertrauen ohne Beweise und sogar den Beweisen zum Trotz. Die Geschichte vom ungläubigen Thomas..."

S.234 "Das Mem für blindes Vertrauen sichert sich seinen Fortbestand selbst durch das einfache, unbewußte, wirksame Mittel, daß es das rationale Nachforschen mißbilligt."

S.235 "Ich stelle die Mutmaßung an, daß sich ko-adaptierte Memkomplexe auf dieselbe Weise wie ko-adaptierte Genkomplexe herausbilden. Die Selektion begünstigt Meme, die ihre kulturelle Umwelt zu ihrem eigenen Nutzen ausbeuten. Die kulturelle Umwelt besteht aus anderen Memem, die ebenfalls selektiert werden. Der Mempool nimmt daher die charakteristischen Merkmale eines evolutionär stabilen Satzes an, in den einzudringen neuen Memen schwerfällt."

S.236/237 "Auch wenn eine >>Verschwörung der Tauben<< für jedes einzelne Individuum besser wäre als die evolutionär stabile Strategie, kann die natürliche Selektion nicht anders, als die ESS zu begünstigen.

Es ist möglich, daß noch eine wertere einzigartige Eigenschaft des Menschen darin besteht, daß er zu echtem, uneigennützigem, aufrichtigem Altruismus fähig ist. Ich hoffe es, aber ich werde in dieser Frage weder dafür noch dagegen argumentieren, und ebensowenig werde ich über die mögliche memische Evolution des Altruismus spekulieren. Das Entscheidende, was ich sagen will, ist folgendes: selbst wenn wir die düstere Seite betrachten und davon ausgehen, daß der einzelne Mensch im Grunde egoistisch ist, könnte uns unsere bewußte Voraussicht – unsere Fähigkeit, die Zukunft in unserer Vorstellungskraft zu simulieren – vor den schlimmsten egoistischen Exzessen der blinden Replikatoren bewahren. Wir besitzen zumindest das geistige Rüstzeug, um nicht so sehr unsere kurzfristigen als vielmehr unsere langfristigen Interessen zu fördern. Wir sind in der Lage, die langfristigen Vorteile der Beteiligung an einer >>Verschwörung der Tauben<< zu erkennen, und wir können uns zusammensetzen und Mittel und Wege diskutieren, wie die Verschwörung zum Funktionieren gebracht werden kann. Wir haben die Macht, den egoistischen Genen unserer Geburt und, wenn nötig, auch den egoistischen Memen unserer Erziehung zu trotzen. Wir können sogar erörtern, auf welche Weise sich bewußt ein reiner, selbstloser Altruismus kultivieren und pflegen läßt – etwas, für das es in der Natur keinen Raum gibt, etwas, das es in der gesamten Geschichte der Welt nie zuvor gegeben hat. Wir sind als Genmaschinen gebaut und werden als Memmaschinen erzogen, aber wir haben die Macht uns unseren Schöpfern entgegenzustellen. Wir allein – einzig und allein wir auf der Erde – können uns gegen die Tyrannei der egoistischen Replikatoren auflehnen."

MR/8.4.98/David Ruelle "Zufall und Chaos"

S.1 "Schließlich wurde unser Gehirn nicht von der Evolution geformt, um Mathematik zu machen, sondern um uns bei der Jagt und der Nahrungsbeschaffung, beim Kriegführen, bei der Aufrechterhaltung unserer sozialen Beziehungen zu helfen."

S.2 "Ob er Physiker oder Mediziner ist, um effizient zu arbeiten, benutzt der Wissenschaftler Werkzeuge, deren Wirkungsweise er nicht versteht."

S.11 "Physiker haben in der Regel keinen Zweifel an der Realität, die sie zu beschreiben versuchen."

S.21 "Und schließlich ist es eine Illusion zu glauben, daß wir die Fähigkeit haben, in allen unseren Handlungen rational zu entscheiden."

S.27 Laplacescher Dämon: ">>Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennte, durch welche die Natur belebt wird, und die entsprechende Lage aller Teile, aus denen sie zusammengesetzt ist, und darüber hinaus breit genug wäre, um alle diese Daten einer Analyse zu unterziehen, würde in derselben Formel die Bewegungen der größten Körper des Universums und die des kleinsten Atoms umfassen. Für sie wäre nichts ungewiß, und die Zukunft ebenso wie die Vergangenheit wäre in ihren Augen gegenwärtig. Der menschliche Verstand, in der Perfektion, die er in der Lage war, der Astronomie zu geben, stellt ein schwaches Abbild dieser Intelligenz dar.<<"

S. 29 "Zunächst bemerkt Schrödinger, daß der freie Wille anderer Leute kein Problem darstellt: Wir können eine vollkommen deterministische Erklährung aller ihrer Entscheidungen akzeptieren. Was die Schwierigkeiten erzeugt, ist der offensichtliche Widerspruch zwischen Determinismus und unserem freien Willen, der introspektiv durch die Tatsache charakterisiert ist, daß mehrere Möglichkeiten offen sind und daß wir unsere Verantwortung ausüben, indem wir eine wählen. Wenn wir Zufall in die physikalischen Gesetze einführen, dann hilft uns das keineswegs, diesen Widerspruch aufzulösen. Denn können wir etwa sagen, daß wir unsere Verantwortung ausüben, indem wir eine Wahl zufällig treffen? Die Freiheit unserer Wahl ist in der Tat illusorisch."

S.32 "Kurz, was unseren freien Willen erklärt und ihn zu einem sinnvollen Begriff macht, ist die Komplexität des Universums oder, etwas genauer, unsere eigene Komplexität."

S.48 "Ein wesentlicher Gesichtspunkt, den Poincaré vorbringt, ist, daß Zufall und Determinismus durch die Langzeitunvorhersagbarkeit versönt werden."

S.53 "Man kann die Entdeckung neuer Ideen nicht programmieren. Das ist der Grund, warum Revolutionen und andere soziale Umstürze oft einen positiven Einfluß auf die Wissenschaft haben. Indem sie vorübergehend die Routine und die Macher wissenschaftlicher Forschung außer Kraft setzen, geben sie den Leuten die Gelegenheit nachzudenken."

S.68 "Was wir heute Chaos nennen, ist eine Zeitentwicklung mit empfindlicher Abhängigkeit von den Anfangsbedingungen."

S.87 "Ein fester Bestandteil der ökonimischen Schulweisheit ist, daß es jedem besser gehen wird, wenn ökonomische Barrieren unterdrückt werden und man einen freien Markt etabliert."

S.88 "..., daß eine Ökonomie des freien Marktes den Produzenten verschiedener Güter ein Gleichgewicht, das irgendwie ihr Wohlergehen optimieren wird, verschaffen wird. Aber, wie wir gesehen haben, ist es sehr gut möglich, daß das kompliziertere System, das man durch das Zusammenkoppeln verschiedener lokaler Ökonomien erhält, eher eine kompliziertere, chaotischere Zeitentwicklung hat, als daß es sich in einem annehmbaren Gleichgewicht einpendelt."

S.97 "... empfehle ich, daß sie Feynmanns kleines Buch mit dem Titel QED lesen."

MR/2.4.98/UB/ "Gehirn und Kognition"/ S.179/ F.H.C.Crick

"Natürlich glaubt kein Wissenschaftler an einen Homunculus im Gehirn. Unglücklicherweise ist es aber einfacher, den Trugschluß des Homunculus darzulegen, als zu vermeiden, daß man ihm erliegt, denn wir alle kennen eine Illusion des Homunculus: das Ich. Vermutlich haben Stärke und Dauerhaftigkeit dieser Illusion ihre Ursache darin, daß es im Gehirn eine übergeordnete Kontrolle gibt. Nur: welcher Art diese Kontrolle ist, wissen wir bislang noch nicht."

S.180 "Es gibt keine wissenschaftliche Arbeit, die für den Menschen wichtiger ist, als die Untersuchung seines Gehirns. Unsere gesamte Weltanschauung hängt daran."
 
 

MR/30.05.1998/Sheperd "Neurobiologie";S.557

"Das Waschen der Süßkartoffeln war ursprünglich von einem halbwüchsigen Affen >>durch Zufall erfunden<< worden und im Laufe der Zeit von der ganzen Gruppe (außer von den ranghohen alten Männchen) nachgeahmt worden."

MR/27.06.1998/Wolfgang Wickler "Die Biologie der Zehn Gebote – Warum die Natur für uns kein Vorbild ist"

S. 79 "Es gibt viele Verhaltensweisen, durch welche die Fortpflanzungs- und Überlebenschancen anderer erhöht werden, nicht aber die des Handelnden selbst. Es bringt automatisch Evolutionsvorteile, das zu tun, was in einer Ausbreitung des eigenen Erbgutes resultiert, und alles zu vermeiden, was dem entgegensteht. Für das Erhaltenbleiben des Erbgutes (nicht aber notwendig auch für den individuellen Träger selbst) kann es durchaus vorteilhaft sein, Brutverteidigung bis zur Selbstaufopferung zu treiben.

Altruismus, der im Tierreich dem Eigennutz vorgeht, ist >>Genom-Nutz<<. So entstehen Brutverteidigung, Feindwarnrufe (die viele warnen und höchstens einen gefährden) und schließlich bei sozialen Insekten ganze Kasten von Arbeitern oder Soldaten, die selbst zur Fortpflanzung unfähig sind und ausschließlich zur Verbesserung der Forpflanzungschancen einiger Artgenossen konstruiert sind."

S.105 "Territorium als persönliches Eigentum und Territorialinstinkt als Wurzel unseres Strebens nach Besitz von Grund und Boden und anderer lebenswichtiger Dinge behandelte kürzlich Fritz Frank in einer kleinen Schrift recht ausführlich. Er betont, daß >>das Streben nach persönlichem Eigentum, das naturfremde Geister immer wieder für eine Erfindung des sündig oder kapitalistisch gewordenen Menschen gehalten haben, in Wahrheit ein integrierender Bestandteil horchorganisierten Lebens und damit schon mehrere hundert Millionen Jahre alt ist.<<(S.17)"

S.106 "Die schon genannten Mantelpaviane leben in Haremsgruppen, d.h. die erwachsenen Männchen besitzen mehrere Weibchen. In ausführlichen Freilandbeobachtungen mit geschickten Experimenten, über die kürzlich ein Film veröffentlicht wurde, hat Hans Kummer nun folgendes entdeckt: Sobald ein Männchen sich mit einem Weibchen zusammengetan hat, versucht kein anderes Männchen mehr, dieses Weibchen zu erobern. Ausnahmen gibt es nur dann, wenn man Tiere aus verschiedenen Trupps durcheinandertreibt, so daß die Übersicht verloren geht. Selbst wenn man von zwei einzelnen Männchen im Käfig dem schwächeren ein Weibchen gibt und den stärkeren dann dazu in den Käfig bringt, versucht der Starke nicht, das Weibchen zu erobern, sondern setzt sich meist von beiden abgewandt in einen Ecke, als versuche er, möglichst nicht zu stören. Gibt man zuerst ihm das Weibchen, so nimmt er es ohne weiteres, und dann verhält sich der Schwächere betont uninteressiert. Also ist das Weibchen für beide erstrebenswert. Sobald es aber von einem in Besitz genommen wird, ist es für den anderen tabu, und zwar auch für den Stärkeren. Er zeigt nun nicht mehr, daß er das Weibchen eigentlich doch begehrt, und vermeidet alle Machenschaften, die er anwenden könnte, um in den Besitz des Weibchens zu gelangen.

Ich habe vorn darauf hingewiesen, daß in Israel das Weib des Nächsten ursprünglich zum Hab unt Gut zählte und erst später im neunten Gebot besonders geschützt wurde. Die vormenschliche biologische Situation ist in diesem Mantelpavian-Beispiel deutlich gekennzeichnet."

S.104

"Ein Kommunikationssignal wird logischerweise gesendet, weil der Sender für sich einen Vorteil erwarten kann aus der Reaktion, die der Empfänger auf das Signal hin bringt. Der Sender zielt also auf eine Manipulation des Empfängers, und jedes Mittel ist ihm recht, das diesen Effekt hat."

Der Empfänger wird seinerseitz solche Signalbeantwortung möglichst unterlassen, die ihm Nachteile bringt."

">>Du darfst nicht lügen – Ich schon<< ist die ursprüngliche Devise."

S.161 "Wir lernen zunächst rein emotionell, was wir zu tun haben; erst sekundär mischt sich der Verstand ein und sucht nach einer rationalen Begründung. Das kann zu der Erwartung führen, es ließe sich, wenn man eifrig sucht, für alles Überkommene eine rationale Begründung finden, und wo solche Begründung fehlt, liege das an fehlender Einsicht. Da das Tradieren älter ist als das verständige Prüfen, der erwachende Verstand also das tradierte schon vorfindet (und das sowohl in der Stammes- wie auch in der individuellen Entwicklungsgeschichte), kommt es leichter zu Pseudo-Rationalisierungen als zu gezielten Änderungen am Traditionsgut. So kann sogar die Handlungsvorschrift gleichbleiben und die Begründung wechseln: Die Verwendung von Weihrauch ..."

S.163 "Das Tradieren als Weitergeben von Erfahrungen begann als Beispielgeben und Nachahmen, ..."

"Das Beispielgeben aber ist auf Vorexerzieren am Objekt mit unmittelbarer Erfolgskontrolle gemüntzt und erfordert wohl deswegen weniger Begründung als jede abstrakt vermittelte Tradition. Das hat zur Folge, daß z.B. alles, was ein Kind den Eltern unmittelbar absieht, ohne abstrakte Begründung übernommen werden kann, während schon der Sexualbereich, den die Eltern aus dem Beispiel ausklammern, mit abstrakten (sinnigen oder unsinnigen) Begründungen überladen wird. Das Tradieren durch Reden oder Schriften umgeht das Beispielgeben, verlangt daher mehr Begründung.

Das Weitergeben von Erfahrungen ermöglicht, aus den Fehlern anderer zu lernen; allein durch Schaden klug zu werden und doch konkurrenzfähig zu bleiben, kann sich höchstens jemand leisten, der sein Leben wiederholen könnte. Sich auf die Erfahrungen anderer zu verlassen, nennt man Gehorsam. Da es außerdem das Individuum entlastet, wenn es sich auf andere verlassen kann, ist Gehorsam ursprünglich zur Entlastung des Individuums da, zu seiner Befreiung oder Freistellung für typisch menschliche Lebensinhalte. Dieser Gehorsam, das Sich-auf-einen-anderen-Verlassen setzt aber Vertrauen voraus. Blinder Gehorsam überzieht das Vertrauen, denn es gibt erfahrungsgemäß auch falsche Autoritäten; deshalb ist Mißtrauen eine ebenfalls notwendige Haltung. Aus der ausgewogenen Mischung von Vertrauen und Mißtrauen erwächst als Kompromiß der kritische Gehorsam, den mann auch als kritischen Ungehorsam bezeichnen kann. Blinder Ungehorsam und prinzipielles Mißtrauen sind ebenso unbiologisch wie blinder Gehorsam."

S.113 "Für den Zusammenhalt zweier Individuen kann gegenseitigen Bindung aneinander, oder eine einseitige Bindung des einen an den anderen, oder eine Bindung beider an irgendein anderes Objekt in Frage kommen. Deshalb ist es oft sehr schwierig – bei tierischen wie bei menschlichen Paaren – herauszufinden, was sie wirklich zusammenhält."

S.118 "Es gibt regelmäßig bei brutpflegenden Arten besondere Signale und Verhaltensweisen, welche die Pflegehandlungen der Erwachsenen auslösen und auf die Jungen richten, die Jungtiere zur Mutter führen und sie in der Nähe halten. Dieselben Signale und Verhaltensweisen übernehmen bei vielen Arten partnerbindende Funktionen; vor Artgenossen angegriffene Tiere zeigen oft als Beschwichtigungsgebärden kindliches Verhalten und stimmen den Angreifer wenigstens so weit auf Brutpflege um, daß er im Angriff nicht fortfahren kann. Aber auch zur Überwindung von Annäherungsscheu zwischen erwachsenen Artgenossen werden jene Verhaltenselemente eingesetzt, die in der Brutpflege Kontakt stiften: ..."

S.141 "Ein Lebewesen wie der Mensch, das offensichtlich darauf angelegt ist, streng in Ursache-Wirkung-Zusammenhängen zu denken, stößt notgedrungen auf so nicht erklährliche Mengen von Glück und Unglück, die den einzelnen Individuen zu Lebzeiten zustoßen. Wenn da nicht das ganze biologisch vorgegebene Grundgefüge in Frage gestellt werden soll, läßt sich mit solchen subjektiv unerträglichen Ungerechtigkeiten leben, indem man den errechneten Ausgleich in die Zukunft verschiebt, und zwar, da man die Lebenszeit überblickt, auf einen Zukunft jenseits des Todes."

S.142 "Denn alle Lebewesen mit einem einigermaßen reichhaltigen Verhaltensinventar lassen in ihrem Verhalten zwei Tendenzen erkennen: Sie vermeiden es, Zeit und Energie zu verschwenden und unnötige Risiken einzugenen, wenden aber Zeit und Energie auf und gehen Risiken ein, wo es der Fortpflanzung dient. Dazu gehören, in hierarchischer Ordnung, andere untergeordnete Voraussetzungen (satt werden, Feinde vermeiden, usw.)."

"Wenn man freilich mit einem zu Lebzeiten nicht überprüfbaren, beliebig hoch anzusetzenden Nutzen rechnet, dann kann man dem auch beliebig hohe Kosten zuordnen."

"Diese Gebote zielen auf eine gerechte Berufungsinstanz für das Individuum nach seinem Tod, relativieren die vom Individuum zu treffende Entscheidung und werden besonders leicht zur Quelle für Unbedingtheitsansprüche."
 
 

05.07.1998/MR/Albert Camus "Der Fall"

S.7 "Ich betrachte sein Mißtrauen als begründet und würde es gerne teilen, stünde dem nicht, wie Sie sehen, meine mitteilsame Natur im Wege. Ach, ich sehe, daß diese etwas umständliche formulierung Ihnen auffällt! Nun, ich bekenne meine Schwäche für eine gewählte Ausdrucksweise und eine gehobene Sprache überhaupt. Sie dürfen mir glauben, daß ich mir diese mir diese Schwäche selbst zum Vorwurf mache."

S.8 "Paris ist eine wahre Fata Morgane, eine großartige Kulisse, die vier Millionen Schatten beherbergt. So? Nach der letzten Volkszählung sind es nahezu fünf Millionen? Na, dann haben sie eben Junge gekriegt. Das wundert mich übrigens nicht. Es wollte mir schon immer scheinen, unsere Mitbürger frönten zwei Leidenschaften: den Ideen und der Hurerei. Kunterbunt durcheinander, möchte man sagen. Hüten wir uns übrigens, sie zu verurteilen; sie stehen keineswegs einzig da, in ganz Europa ist man heute so weit. Manchmal suche ich mir vorzustellen, was wohl die künftigen Geschichtsschreiber von uns sagen werden. Ein einziger Satz wird ihnen zur Beschreibung des modernen Menschen genügen: er hurte und las Zeitungen. Mit welcher bundigen Definition der Gegenstand, wenn ich sagen darf, erschöpft währe."
 
 

11.07.1998/MR/"Gehrtsen, Physik" H.Vogel; 19.Auflage

S.294 Die elektrische Kraft zwischen zwei geladenen Elementarteilchen ist etwa 1040 mal größer als die Gravitationzwischen ihnen. Niemand weiß, was dieser Faktor bedeutet. Eddington, Dirac u.a. vermuteten, er habe etwas mit der Gesamtzahl der Teilchen im Weltall zu tun."

S.59: Invarianzen und Erhaltungssätze

MR/ 17.07.98/ Hermann Haken: "Synergetik"

S.3: "So wird die Ordnung im mikroskopischen Bereich die Ursache einer neuen Eigenschaft im makroskopischen. Der Übergang von einer Phase zur anderen wird als Phasenübergang bezeichnet."

S.4: (Energie in biologischen Systemen)

"Deren Verarbeitung basiert auf vielen mikroskopischen Einzelschritten und führt schließlich zu Phänomenen, die Ordnung auf einer makroskopischen Skala erzwingen: der Bildung von makroskopischen Mustern (Morphogenese), der Fähigkeit zur Fortbewegung (d.h. wenige Freiheitsgrade) u.s.w."

S.16: "Offenbar bergen chaotische Zustände in sich etwas für uns Unbekanntes oder zumindest Unbestimmtes. Wären nämlich alle Größen bekannt, könnten wir sie zumindest auflisten, für ihre Anordnung sogar einige Regeln auffinden und so Chaos behandeln. Wir müssen also lernen, wie wir auch etwas Unbekanntes, Vages, mathematisch in den Griff bekommen. Dies gelingt uns mit Hilfe des Begriffs der Wahrscheinlichkeit."

MR/ 26.07.1998/ Albert Camus "Der Fall"

S.11: "Mein Beruf ist doppelter Natur, wie der Mensch, weiter nichts."

S.13: "Ich liebe es, so wacholderdurchwärmt durch die abendliche Stadt zu schlendern. Ganze Nächte durchwandere ich so, träume vor mich hin oder führe endlose Selbstgespräche. so wie heute abend. Doch ich fürchte, ich schwatze ihnen die Ohren voll."

S.15: "Aus allen Ecken und Enden Europas strömen sie herbei ..."

"... Durchfroren kommen sie ins Mexico-City und bestellen in allen Sprachen der Welt ihren Wacholder. Dort erwarte ich sie."

"Wie bitte? Die Damen hinter jenen großen Scheiben? Der Traum, Monsieur, der wohlfeile Traum, die Reise nach Indien! Diese Wesen parfümieren sich mit Spezereien. Man tritt ein, die Vorhänge werden zugezogen, die Fahrt beginnt. Die Götter Steigen auf die nackten Leiber herab, und die Inseln treiben dahin, wahnergriffen, vom zerzausten Haar windgeschüttelter Palmen gekrönt. Versuchen Sie es."

S.18 "Ich trug das Herz auf den Ärmeln. Man hätte wirklich glauben können, Justitia lege sich jeden Abend zu mir ins Bett."

"Das Bewußtsein des guten Rechts, der Genugtuung, recht zu haben, das Hochgefühl der Selbstachtung- das, Verehrtester, sind die Triebfedern, mächtig genug, uns Haltung zu geben oder vorwärtszubringen. Berauben Sie die Menschen dagegen dieses Antriebes, und Sie verwandeln sie in wutschäumende Hunde."

S.20 "Halten wir einen Augenblick auf diesen Gipfeln inne. Sie verstehen jetzt, was ich mit höher hinauswollen meinte."

S.26 "Wohlverstanden meine ich damit nicht etwa die mir innewohnende Gewißheit, gescheiter zu sein als alle anderen, eine Überzeugung, die nebenbei bemerkt ohne Bedeutung ist, weil so viele Dummköpfe sie teilen."

S.27 "Zwar gab es nichts, das mir zu schaffen machte, doch gleichzeitig auch nichts, das mich befriedigte. Jede Freude weckte allsogleich das Verlangen nach einer anderen."

MR/ 03.08.1998/ Wilhelm Nultsch: "Allgemeine Botanik"

S.3 "Im Hinblick darauf ist es selbstverständlich, daß sich jede Veränderung im molekularen Gefüge der Körpersubstanzen auf die Lebensvorgänge eines Organismus auswirken muß, wie sich andererseits alle physiologischen Vorgänge letztendlich auf irgendwelche biochemischen und biophysikalischen Vorgänge zurückführen lassen. Wollen wir deshalb einen Organismus und seine Lebensäußerungen wirklich begreifen, so müssen wir versuchen, diese bis in die molekulare oder gar atomare Dimension zu verfolgen."

MR/ 10.08.1998/ Larry Wall, Randal L.Schwartz "Programmieren in perl"
Einleitung S. VII
"Wir werden Sie dazu ermuntern, die drei großen Tugenden eines Programmierers noch ausgeprägter zu entwickeln: Faulheit, Ungeduld und Überheblichkeit."

MR/ 31.08.1998/ Wehner/Gehring: "Zoologie"

S.257 "Schon die ersten modernen Tierphysiologien wie Harvey (1578-1657), der über Kreislaufdynamik, oder Borelli (1608-1679), der über Muskelleistungen arbeitete, haben den Organismus als eine biologische Maschine betrachtet – als ein Räderwerk ineinandergreifender Teilmaschinen, wie zu ergänzen wäre."

MR/ 02.09.1998/ Bertold Brecht: "Leben des Galilei"

S.78: Galilei. Um mit einiger Zuversicht die Rotation der Sonne zu beweisen. Meine Absicht ist nicht, zu beweisen, daß ich bisher recht gehabt habe, sondern: herauszufinden ob. Ich sage: laßt alle Hoffnung fahren, ihr, die ihr in die Beobachtung eintretet. Vielleicht sind es Dünste, vielleicht sind es Flecken, aber bevor wir Flecken annehmen, welche uns gelegen kämen, wollen wir lieber annehmen, daß es Fischschwänze sind. Ja, wir werden alles noch einmal in Frage stellen. Und wir werden nicht mit Siebenmeilenstiefeln vorwärts gehen, sondern im Schneckentempo. Und was wir heute finden, werden wir morgen von der Tafel streichen und erst wieder anschreiben, wenn wir es noch einmal gefunden haben. Und was wir zu finden wünschen, das werden wir, gefunden, mit besonderem Mißtrauen ansehen. Also werden wir an die Beobachtung der Sonne herangehen mit dem unerbittlichen Entschluß, den STILLSTAND der Erde nachzuweisen! Und erst wenn wir gescheitert sind, vollständig und hoffnungslos geschlagen und unsere Winden leckend, in traurigster Verfassung, werden wir zu fragen anfangen, ob wir nicht doch recht gehabt haben und die Erde sich dreht! [mit einem Zwinkern] Sollte uns dann aber jede andere Annahme als diese unter den Händen zerronnen sein, dann keine Gnade mehr mit denen, die nicht geforscht haben und doch reden. Nehmt das Tuch vom Rohr und richtet es auf die Sonne! [Er stellt den Messingspiegel ein.]"

MR/06.09.1998/Spiegel Special "Auf der Suche nach der Zukunft: Student‘98"
S.30, Artikel "Studium modulare" von Dietrich Schwanitz
"Erst die Schrift löst die Sprache aus der Dramatik der Situation und verselbständigt sie gegen Geste, Stimme und Körpersprache: Was übrig bleibt, ist der Sinn. Schrift macht die Kategorie des Sinnes erst faßber: Die Linearisierung der Sprache erlaubt es, die Ordnung der Gedanken auf die Grammatik abzubilden und dadurch Sinnzusammenhänge aufzubauen."

MR/18.10.1998/Hans Meinhardt: "Wie Schnecken sich in Schale werfen"
S. 4 "Es gibt zwei Gründe für das Modellieren dynamischer Systeme: erstens, um zu prüfen, ob man ein System wirklich verstanden hat, und zweitens, um Vorhersagen zumindest für die nahe Zukunft machen zu können."

MR/30.11.1998/ Spektrum der Wissenschaft, Dezember 1998
S.88, Artikel: "Rechtes und linkes Gehirn: Split-Brain und Bewußtsein" von Michael S. Gazzaniga
"Evolution des Denkens
Diese Erkenntnisse deuten sämtlich darauf hin, daß der Interpretier-Mechanismus des linken Gehirns unausgesetzt hart arbeitet, um die Bedeutung von Ereignissen herauszufinden. Er sucht unablässig nach einer Ordnung und einem Sinn, auch wenn dergleichen nicht vorhanden ist – und macht dabei so manchen Fehler. Er neigt dazu, übermäßig zu generalisieren, und schafft so häufig eine Vergangenheit, die zwar hätte sein können, aber nicht so war."

"In der Evolution muß es eine harte Konkurrenz um Platz auf der Hirnrinde gegeben haben, als das Primatengehirn dem Zwang ausgesetzt war, neue Fähigkeiten zu erwerben und dennoch alte nicht aufzugeben. Vielleicht war die Lateralisierung die Lösung. Die Kopplung der beiden Hemisphären erlaubte es, bei beiderseits gleichen Strukturen Neues einseitig auszuprobieren- die alte Funktion blieb ja auf der Gegenseite erhalten und zugänglich."

MR/ 19.12.1998/"Leben des Galilei", Bertolt Brecht
S. 16: "Der Kurator. Skudi wert ist nur, was Skudi bringt. Wenn Sie Geld haben wollen, müssen Sie etwas anderes vorzeigen. Sie können für das Wissen, das Sie verkaufen, nur so viel verlangen, als es dem, der es Ihnen abkauft, einbringt. Die Philosophie zum Beispiel, die Herr Colombe in Florenz verkauft, bringt dem Fürsten mindestens zehntausend Skudi im Jahr ein. Ihre Fallgesetze haben Staub aufgewirbelt, gewiß. Man klatscht Ihnen Beifall in Paris und Prag. Aber die Herren, die da klatschen, bezahlen der Universität Padua nicht, was Sie sie kosten. Ihr Unglück ist Ihr Fach, Herr Galilei.
Galilei. Ich verstehe: freier Handel, freie Forschung. Freier Handel mit der Forschung, wie?"

S. 28:
"Sagredo. Ich stehe nicht wie ein Stockfisch, sondern ich zittere, es könnte die Wahrheit sein."
Galilei. Was?
Sagredo. Hast du den Verstand verloren? Weißt du wirklich nicht mehr, in was für eine Sache du kommst, wenn das wahr ist, was du da siehst? Und du es auf allen Märkten herumschreist: daß die Erde ein Stern ist und nicht der Mittelpunkt des Universums.
Galilei. Ja, und daß nicht das ganze riesige Weltall mit allen Gestirnen sich um die Erde dreht, wie jeder denken könnte!
Sagredo. Daß da also nur Gestirne sind! - Und wo ist dann Gott?
Galilei. Was meinst du damit?
Sagredo. Gott! Wo ist Gott?
Galilei. zornig. Dort nicht? Sowenig, wie er auf der Erde zu finden ist, wenn dort Wesen sein sollten, die ihn hier suchen sollten!
Sagredo. Und wo ist also Gott?
Galilei. Bin ich Theologe? Ich bin Mathematiker.
Sagredo. Vor allem bist du ein Mensch. Und ich frage dich, wo ist Gott in deinem Weltsystem?
Galilei. In uns oder nirgends.
Sagredo. schreiend. Wie der Verbrannte gesagt hat?
Galilei. Wie der Verbrannte gesagt hat."

S. 29:
"Galilei. Allen Unterschied! Sieh her, Sagredo! Ich glaube an den Menschen, und daß heißt ich glaube an seine Vernunft! Ohne diesen Glauben würde ich nicht die Kraft haben, am Morgen aus meinem Bett aufzustehen.
Sagredo. Dann will ich dir etwas sagen: Ich glaube nicht an sie. Vierzig Jahre unter den Menschen haben mich ständig gelehrt, daß sie der Vernunft nicht zugänglich sind. Zeige ihnen einen roten Kometenschweif, jage ihnen eine dumpfe Angst ein, und sie werden aus ihren Häusern laufen und sich die Beine brechen. Aber sage ihnen einien vernünftigen Satz und beweise ihn mit sieben Gründen, und sie werden dich einfach auslachen.
Galilei. Das ist ganz falsch und eine Verleumdung. Ich begreife nicht, wie du so etwas glaubend, die Wissenschaft lieben kannst. Nur die Toten lassen sich nicht mehr von Gründen bewegen!
Sagredo. Wie kannst du ihre erbärmliche Schlauheit mit Vernunft verwechseln!
Galilei. Ich rede nicht von ihrer Schlauheit. Ich weiß, sie nennen den Esel ein Pferd, wenn sie ihn verkaufen, und das Pferd einen Esel, wenn sie es einkaufen wollen. Das ist ihre Schlauheit. Die Alte, die am Abend vor der Reise dem Maulesel mit der harten Hand ein Extrabüschel Heu vorlegt, der Schiffer, der beim Einkauf der Vorräte des Sturmes und der Windesstille gedenkt, das Kind, das die Mütze aufstülpt, wenn ihm bewiesen wurde, daß es regnen kann, sie alle sind meine Hoffnung, sie alle lassen Gründe gelten. Ja, ich glaube an die sanfte Gewalt der Vernunft über die Menschen. Sie können ihr auf die Dauer nicht widerstehen. Kein Mensch kann lange zusehen, wie ich er läßt aus seiner Hand einen Stein auf den Boden fallen einen Stein fallen lasse und dazu sage: er fällt nicht. Dazu ist kein Mensch imstande. Die Verführung, die von einem Beweis ausgeht, ist zu groß. Ihr erliegen die meisten, auf die Dauer alle. Das Denken gehört zu den größten Vergnügungen der menschlichen Rasse."

S. 38:
"Andrea auf den Hocker vor dem Fernrohr zeigend. Bitte hier zu setzen."
Der Philosoph. Danke, mein Kind. Ich fürchte, das ist alles nicht so einfach. Herr Galilei, bevor wir ihr berühmtes Rohr applizieren, möchten wir im das Vergnügen eines Disputs bitten. Thema: können solche Planeten existieren?"

"Der Philosoph. Und ganz absehend von der Möglichkeit solcher Sterne, die der Mathematiker er verbeugt sich gegen den Mathematiker zu bezweifeln scheint, möchte ich in aller Bescheidenheit als Philosoph die Frage aufwerfen: Sind solche Sterne nötig? Aristoteles divini universum ..."

S. 39:
"Der Mathematiker. Es wäre doch vier förderlicher, Herr Galilei, wenn Sie uns die Gründen nennten, die Sie zu der Annahme bewegen, daß in der höchsten Sphäre des unveränderlichen Himmels Gestirne frei schwebend in Bewegung sein könnten."

S. 41:
"Der Philosoph. Euere Hoheit, meine Damen und Herren, ich frage mich nur, wohin dies alles führen soll.
Galilei. Ich würde meinen, als Wissenschaftler haben wir nicht zu fragen, wohin uns die Wahrheit führen mag.
Der Philosoph wild. Herr Galilei, die Wahrheit mag uns zu allem möglichem führen."

MR/ 20.12.1998/ "Der Weg nach vorn - Die Zukunft der Informationsgesellschaft" Bill Gates
S. 178: "Erst durch Bücher wurde die Fähigkeit, zu lesen und zu schreiben, zur kritischen Masse, so daß man fast sagen kann, die Druckerpresse habe uns lesen gelehrt."

MR/20.12.1998/"Emotionale Intelligenz", Daniel Goleman
S. 31: "Das Leben ist eine Komödie für diejenigen, die nachdenken, und eine Tragödie für die, die fühlen. Horace Walpole"

Cainsdorf/ 25.12.1998/Albert Camus: "Der Mythos von Sisyphos"
S. 13: "Man kann den Grundsatz aufstellen: die Handlungsweise eines aufrichtigen Menschen müsse von dem bestimmt sein, was er für wahr hält."
S. 15: "Die Entscheidung des Körpers gilt ebensoviel wie eine Geistige Entscheidung, und der Körper scheut die Vernichtung. Wir gewöhnen uns an das Leben, ehe wir uns an das Denken gewöhnen."
S. 16: "Hier ist rücksichtsloses, d.h. logisches Denken am Platze. Keine leichte Aufgabe. Logisch zu sein ist immer bequem. Nahezu unmöglich ist es aber, logisch bis ans Ende zu sein."
S. 24: "Wie die Wortspiele und logischen Kniffe auch aussehen mögen - verstehen heißt vor allem zusammenfassen."
S. 39: "Es gibt einen offenkundigen und anscheinend durch aus moralischen Tatbestand: ein Mensch ist immer das Opfer siner Wahrheiten. Hat er sie einmal erkannt, so kann er sich von ihnen nicht frei machen."
S. 47: "Aber wenn ich die Grenzen der Vernunft anerkenne, so leugne ich deshalb nicht die Vernunft selber, sondern erkenne ihre relative Macht an."
"Das Wahre suchen heißt nicht: das Wünschenswerte suchen."
S. 59: "Den Widerspruch des Lebens leugnen, die Revolte des Bewußtseins widerrufen heißt: dem Problem aus dem Weg gehen."
S. 61: "Für einen Menschen ohne Scheuklappen gibt es kein schöneres Schauspiel als die Intelligenz im Widerstreit mit der ihm überlegenen Wirklichkeit."
"Es geht darum, unversöhnt und nicht aus freiem Willen zu sterben. Der Selbstmord ist ein Verkennen. Der absurde Mensch kann nur alles ausschöpfen und sich selber erschöpfen. Das Absurde ist seine äußerste Anspannung, an der er beständig mit einer unerhörten Anstrengung festhält; denn er weiß in diesem Bewußtsein und in dieser Auflehnug bezeugt er Tag für Tag seine einzige Wahrheit, die Herausforderung."

Cainsdorf/26.12.1998
S. 73: "Diese Unschuld ist fürchterlich. <Alles ist erlaubt>, schreit Iwan Karamasow. Auch das schmeckt nach Absurdität. Sofern es nicht im gewöhnlichen Sinne verstanden wird. Ich weiß nicht, ob es richtig verstanden wurde: nicht um einen Schrei der Erlösung und der Freude handelt es sich, sondern um eine bittere Feststellung. Die Gewißheit eines Gottes, der dem Leben seinen Sinn gäbe, ist viel verlockender als die Macht, ungestraft Böses zu tun. Die Wahl wäre nicht schwer. Aber es gibt keine Wahl, und da beginnt die Bitternis. Das Absurde befreit nicht, es bindet. Es rechtfertigt nicht alle Handlungen. Alles ist erlaubt - das bedeutet nicht, daß nichts verboten währe. Das Absurde gibt nur den Folgen dieser Handlungen ihre Gleichwertigkeit. Es empfiehlt nicht das Verbrechen - das wäre kindisch, aber es gibt dem Gewissen seine Nutzlosigkeit wieder. Ebenso ist, wenn alle Erfahrungen gleichgültig sind, die der Pflicht doch genauso berechtigt wie jede andere. Man kann auch aus Laune tugendhaft sein.
Jedwede Moral beruht auf der Vorstellung, daß eine Tat Folgen hat, die sie rechtfertigen oder entwerten. Ein Geist, der vom Absurden durchdrungen ist, meint nur, daß diese Folgen mit Ruhe betrachtet werden müssen."
"Also kann der absurde Geist am Ende seiner Überlegung nicht ethische Regeln suchen, sondern Erklährungen und den Atem menschlichen Lebens."
S. 82: "Daran wenigstens erkennt man den unbewußten Menschen, der fortwährend irgendeiner Hoffnung nachläuft."

Chm/28.12.1998
S. 92: "Ja, der Mensch ist sein eignes Ziel. Und er ist sein einziges Ziel. Wenn er etwas sein will, dann nur in diesem Leben."

Chm/29.12.1998
S. 95: "Der Hoffnung beraubt sein heißt noch nicht: verzweifeln."
"Sie suchen nicht, besser zu sein, sie versuchen nur, konsequent zu sein."
"Diese absurde und gottlose Welt bevölkert sich jetzt mit Menschen, die klar denken und nicht mehr hoffen."
S. 99: "Für einem dem Ewigen abgekehrten Menschen ist das ganze Dasein nur ein maßloses Possenspiel unter der Maske des Absurden."
"Für den absurden Menschen geht es nicht mehr um Erklärungen und Lösungen, sondern um Erfahrungen und Beschreibungen. Alles beginnt mit einer scharfsichtigen Gleichgültigkeit."
S. 119: "Von allen Schulen der Geduld und der Klarheit ist das Schaffen die wirksamste. Es ist zudem das erschütternde Zeugnis für die einzige Würde des Menschen: die eigensinnige Auflehnung gegen seine Lage, die Ausdauer in einer für unfruchtbar erachteten Anstrengung. Sie erfordert tägliche Anstrengung, Selbstbeherrschung, die genaue Abschätzung der Grenzen des Wahren, Maß und Kraft. Sie begründet eine Askese. Und das alles <für nichts>, nur um zu wiederholen und auf der Stelle zu treten."
S. 121: "Um es zu wiederholen: nichts von alledem hat wirklichen Sinn." ...
"Gerade das gibt ihnen diese größere Leichtigkeit bei der Verwirklichung dieses Werkes, wie die Erkenntnis der Absurdität ihnen das Recht gab, sich bis zum Übermaß hineinzustürzen."
 

MR/03.02.1999/ "Philosophinnen - von der Antike bis zur Aufklährung" Marit Ruhlmann
S. 91: "Den Kern des Gesandten bildet der zweite Teil, in dem Gertrud ihre Visionen unvermittelt schildert. Wie bei allen anderen Mystikerinnen traten die Erscheinungen auch bei ihr besonders häufig auf, wenn sie krank und bettlägerig war."
 

MR/27.02.1999/ Kolb, Whishaw "Neuropsychlogie" 2. Aufl.
S. 129: "Eine Metapher für die Beziehung des Cortex zum Rückenmark ist die Beziehung des Pianisten zum Klavier. Der Cortex ist der Pianist, der Verhalten erzeugt, indem er auf subcorticalen <Tasten> Spielt."
 

MR/28.02.1999/ "Galilei - Leben und Werk eines unruhigen Geistes", Spektrum der Wissenschaft: Berühmte Wissenschaftler, Biographien 1/1998
S. 84: Zitat aus Galileis Buch: "Il Saggiatore":
"Die Philosophie steht in diesem Buch geschrieben, dem Universum, das unserem Blick ständig offenliegt. Aber das Buch ist nicht zu verstehen, wenn man nicht zuvor die Sprache erlernt und sich mit den Buchstaben vertraut gemacht hat, in denen es geschrieben ist. Es ist in der Sprache der Mathematik geschrieben, und deren Buchstaben sind Dreiecke, Kreise und geometrische Figuren, ohne die es dem Menschen unmögliche ist, ein einziges Wort davon zu verstehen; ohne diese irrt man in einem dunklen Labyrinth umher."
 

MR/04.03.1999/ Erwin Schrödinger "Was ist Leben?"
Einführung von Ernst Peter Fischer S. 9:
"Die moderne Biologie ist nicht das Werk von Biologen. Sie ließen sich in den vierziger Jahren das heft ihrer Wissenschaft aus der Hand nehmen."
Epilog (Schrödinger) S. 148:
"Nach dem oben vorgebrachten sind die raumzeitlichen Abläufe im Körper eines Lebewesens, die seiner Geistestätigkeit und seinen bewußt oder sonstwie ausgeführten Handlungen entsprechen, wenn nicht strikt deterministischer, so doch stochastisch-deterministischer Art (auch in Anbetracht ihrer komplexen Struktur und der allgemein anerkannten Deutung der physikalischen Chemie). Dem Physiker gegenüber möchte ich betonen, daß nach meiner Ansicht, die allerdings verschiedentlich nicht geteilt wird, die Unbestimmtheit der Quanten bei diesen Vorgängen keine biologisch wesentliche Rolle spielt, ausgenommen vielleicht durch Steigerung des Zufallscharakters von Vorgängen wie der Reifeteilung, der natürlichen und der durch Röntgenstrahlen hervorgerufenen Mutationen u.s.w. - und das ist sowieso unbestritten. Wir wollen diese Behauptung zunächst als feststehende Tatsache betrachten, wie es wohl jeder unvoreingenommene Biologe tun würde, wenn nicht das wohlbekannte unangenehme Gefühl da wäre, das entstehe, wenn man >> sich selber als bloßen Mechanismus erklähren<< soll. Man hat nämlich den Eindruck, daß sie der Willensfreiheit, die durch die unmittelbare Erfahrung verbürgt ist, widerspricht."
 

MR/18.03.1999/David Ruelle "Zufall und Chaos"
S. 87: "Es ist auch wichtig, daß wir dissipative Systeme (d.h. Systeme, die Energie in Wärme umwandeln; z.B. viskose Flülssigkeiten dissipieren durch Eigenreibung mechanische Energie) betrachten. Die Dissipation ist der Grund dafür, daß Transienten abklingen. Aufgrund der Dissipation ist im unendlichdimensionalen Raum, der das System darstellt, nur eine kleine Menge (der Attraktor) wirklich interessant.
 

MR/19.03.1999/ Grégoire Nicolis, Ilya Prigogine: "Die Erforschung des Komplexen"
S. 29: "Komplexität ist weit davon entfernt, etwa die Gesetze der Physik in Frage zu stellen, vielmehr erscheint sie unter geeigneten Bedingungen als eine unvermeidliche Konsequenz derselben."
 

MR/23.05.1999/Daniel Goleman "Emotionale Intelligenz"

S. 370: "
Die emotionale Seele ist in vieler Hinsicht kindlich, um so mehr, je stärker die Emotion wird. Da ist zum Beispiel das kategorische Denken, das nur Schwarz oder Weiß, aber keine Grautöne kennt."
[...]
S. 371
"Diese kindliche Denkweise ist selbstbestätigend; sie unterdrückt oder ignoriert Erinnerungen oder Tatsachen, die ihre Ansichten in Frage stellen würden, und greift begierig solche auf, die sie stützen.
Die rationale Seele äußert ihre Ansichten nur unter Vorbehalt; neue Tatsachen können eine Ansicht widerlegen und zu einer anderen führen; sie stützt sich auf objektive Tatsachen. Die emotionale Seele hält ihre Ansichten dagegen für absolut wahr, und deshalb läßt sie Tatsachen, die das Gegenteil beweisen, unberücksichtigt. Darum ist es so schwer, mit jemandem zu argumentieren, der emotional erregt ist: Sie können aus logischer Sicht noch so recht haben, Ihr Argument zählt nicht, wenn es mit der emotionalen Überzeugung des Augenblicks nicht übereinstimmt. Gefühle stützen sich auf ihre eigenen Wahrnehmungen und >>Beweise<< und rechtfertigen sich selbst."
[...]
S.372
"Unsere Emotionale Seele spannt dann die rationale Seele für ihre Zwecke ein, und so erfinden wir Erklärungen für unsere Gefühle und Reaktionen - Rationalisierungen -, die sie aus der Gegenwart begründen, ohne uns über den Einfluß der emotionalen Erinnerung Rechenschaft zu geben. In diesem Sinne ist es möglich, daß wir keine Ahnung haben, was wirklich vorgeht, obwohl wir die feste Gewißheit haben, genau zu wissen, was geschieht. In solchen Momenten hat die emotionale Seele die rationale Seele mit sich fortgezogen und für ihre eigenen Ziele genutzt."

Zug nach Göttingen/ 29.05.1999/Marit Rullmann: Philisophinnen - von der Antike bis zur Aufklärung"
S. 152
"Wenn ein Mann einmal tugendhaft sei, so könne davon ausgegangen werden, daß eine Frau ihn dazu gebracht habe.
>>Wenn also der Mann in sich etwas sittlich Gutes hat, so hat er es von der Frau, mit der er umgeht, sei es die Mutter, Schwester, Amme oder Ehefrau. Im Laufe der Zeit kann er nicht umhin, die eine oder andere gute Eigenschaft von ihr anzunehmen ... (so) vollbringt er ja alle schönen und tugendhaften Taten ihnen zuliebe ...<<
(Fonte 1988, S. 126ff)

MR/30.05.1999/Albert Camus: "Der Mythos von Sisyphos"
S. 65
"Der absurde Mensch ahnt so ein glühend heißes und eiskaltes, durchsichtiges und begrenztes Universum, in dem nichts möglich, aber alles gegeben ist und jenseits dessen der Zusammenbruch und das Nichts liegen. Nun kann er sich dazu entschließen, das Leben in einem solchen Universum anzuerkennen und aus ihm seine Kraft zu gewinnen, seinen Verzicht auf Hoffnung und die eigensinnige Bekundung eines Lebens ohne Trost."

MR/21.06.1999/Friedrich Nietzsche : "Menschliches, Allzumenschliches"
(Werke 1)S. 282
"29.
Vom Dufte der Blüthen berauscht. - Das Schiff der Menschheit, meint man, hat einen immer stärkeren Tiefgang, je mehr es belastet wird; man glaubt, je tiefer der Mensch denkt, je zarter er fühlt, je höher er sich schätzt, je weiter seine Entfernung von den anderen Thieren wird, - je mehr er als das Genie unter den Thieren erscheint, - um so näher werde er dem wirklichen Wesen der Welt und deren Erkenntniss kommen: diess thut er auch wirklich durch die Wissenschaft, aber er meint diess noch mehr durch seine Religionen und Künste zu thun. Diese sind zwar eine Blüthe der Welt, aber durchaus nicht der Wurzel der Welt näher, als der Stengel ist: man kann aus ihnen das Wesen der Dinge gerade gar nicht besser verstehen, obschon diess fast jedermann glaubt. Der Irrthum hat den Menschen so tief, zart, erfinderisch gemacht, eine solche Blüthe, wie Religionen und Künste, herauszutreiben. Das reine Erkennen wäre dazu ausser Stande gewesen. Wer uns das Wesen der Welt enthüllte, würde uns Allen die unangenehmste Enttäuschung machen. Nicht die Welt als Ding an sich, sondern die Welt als Vorstellung (als Irrthum) ist so bedeutungsreich, tief, wundervoll, Glück und Unglück im Schosse tragend. Diess Resultat führt zu einer Philosophie der logischen Weltverneinung: welche übrigens sich mit einer praktischen Weltbejahung ebensogut wie mit deren Gegentheile vereinigen lässt.

"30. Schlechte Gewohnheiten im Schliessen"
"31. Das Unlogische notwendig"
"32. Ungerechtsein notwendig"
"33. Der Irrthum über das Leben zum Leben nothwendig"
"34. Zur Beruhigung"

MR/25.06.1999/ Friedrich Nietzsche : "Menschliches, Allzumenschliches"- " Zur Geschichte der moralischen Empfindungen"
S. 303
" 51.
Wie der Schein zum Sein wird. - Der Schauspieler kann zuletzt auch beim tiefsten Schmerz nicht aufhören, an den Eindruck seiner Person und den gesammten scenischen Effect zu denken, zum Beispiel selbst beim Begräbniss seines Kindes; er wird über seinen eignen Schmerz und dessen Aeusserungen weinen, als sein eigener Zuschauer. Der Heuchler, welcher immer ein und die selbe Rolle spielt, hört zuletzt auf, Heuchler zu sein; zum Beispiel Priester, welche als junge Männer gewöhnlich bewusst oder unbewusst Heuchler sind, werden zuletzt natürlich und sind dann wirklich, ohne alle Affectation, eben Priester; oder wenn es der Vater nicht so weit bringt, dann vielleicht der Sohn, der des Vaters Vorsprung benutzt, seine Gewöhnung erbt. Wenn Einer sehr lange und hartnäckig Etwas scheinen will, so wird es ihm zuletzt schwer, etwas Anderes zu sein. Der Beruf fast jedes Menschen, sogar des Künstlers, beginnt mit Heuchelei, mit einem Nachmachen von Aussen her, mit einem Copieren des Wirkungsvollen. Der, welcher immer die Maske freundlicher Mienen trägt, muss zuletzt eine Gewalt über wohlwollende Stimmungen bekommen, ohne welche der Ausdruck der Freundlichkeit nicht zu erzwingen ist, - und zuletzt wieder bekommen diese über ihn Gewalt, er ist wohlwollend."

S.307
56.
"Sieg der Erkenntniss über das radicale Böse. - Es trägt Dem, der weise werden will, einen reichlichen Gewinn ein, eine Zeit lang einmal die Vorstellung vom gründlich bösen und verderbten Menschen gehabt zu haben: sie ist falsch, wie die entgegengesetzte; aber ganze Zeitstrecken hindurch besass sie die Herrschaft und ihre Wurzeln haben sich bis in uns und unsere Welt hinein verästet. Um uns zu begreifen, müssen wir sie begreifen; um aber dann höher zu steigen, müssen wir über sie hinwegsteigen. Wir erkennen dann, dass es keine Sünden im metaphysischen Sinne giebt; aber, im gleichen Sinne, auch keine Tugenden; dass dieses ganze Bereich sittlicher Vorstellungen fortwährend im Schwanken ist, dass es höhere und tiefere Begriffe von gut und böse, sittlich und unsittlich giebt. Wer nicht viel mehr von den Dingen begehrt, als Erkenntniss derselben, kommt leicht mit seiner Seele zur Ruhe und wird höchstens aus Unwissenheit, aber schwerlich aus Begehrlichkeit fehlgreifen (oder sündigen, wie die Welt es heisst). Er wird die Begierden nicht mehr verketzern und ausrotten wollen; aber sein einziges ihn völlig beherrschendes Ziel, zu aller Zeit so gut wie möglich zu erkennen, wird ihn kühl machen und alle Wildheit in seiner Anlage besänftigen. Ueberdiess ist er einer Menge quälender Vorstellungen losgeworden, er empfindet Nichts mehr bei dem Worte Höllenstrafen, Sündhaftigkeit, Unfähigkeit zum Guten: er erkennt darin nur die verschwebenden Schattenbilder falscher Welt- und Lebensbetrachtungen."

" 57.
Moral als Selbstzertheilung des Menschen. - Ein guter Autor, der wirklich das Herz für seine Sache hat, wünscht, dass jemand komme und ihn selber dadurch vernichte, dass er dieselbe Sache deutlicher darstelle und die in ihr enthaltenen Fragen ohne Rest beantworte. Das liebende Mädchen wünscht, dass sie die hingebende Treue ihrer Liebe an der Untreue des Geliebten bewähren könne. Der Soldat wünscht, dass er für sein siegreiches Vaterland auf dem Schlachtfeld falle.- denn in dem Siege seines Vaterlandes siegt sein höchstes Wünschen mit. Die Mutter giebt dem Kinde, was sie sich selber entzieht, Schlaf, die beste Speise, unter Umständen ihre Gesundheit, ihr Vermögen. - Sind das Alles aber unegoistische Zustände? Sind diese Thaten der Moralität Wunder, weil sie, nach dem Ausdrucke Schopenhauer's, "unmöglich und doch wirklich" sind? Ist es nicht deutlich, dass in all diesen Fällen der Mensch Etwas von sich, einen Gedanken, ein Verlangen, ein Erzeugniss mehr liebt, als etwas Anderes von sich, dass er also sein Wesen zertheilt und dem einen Theil den anderen zum Opfer bringt? Ist es etwas wesentlich Verschiedenes, wenn ein Trotzkopf sagt: "ich will lieber über den Haufen geschossen werden, als diesem Menschen da einen Schritt aus dem Wege gehn?" - Die Neigung zu Etwas (Wunsch, Trieb, Verlangen) ist in allen genannten Fällen vorhanden; ihr nachzugeben, mit allen Folgen, ist jedenfalls nicht "unegoistisch". - In der Moral behandelt sich der Mensch nicht als individuum, sondern als dividuum.

MR/27.06.1999
S. 321:
"Ursprung der Gerechtigkeit. -Die Gerechtigkeit (Billigkeit) nimmt ihren Ursprung unter ungefähr gleich Mächtigen, wie diess Thukydides (in dem furchtbaren Gespräche der athenischen und melischen Gesandten) richtig begriffen hat; wo es keine deutlich erkennbare Uebergewalt giebt und ein Kampf zum erfolglosen, gegenseitigen Schädigen würde, da entsteht der Gedanke sich zu verständigen und über die beiderseitigen Ansprüche zu verhandeln: der Charakter des Tausches ist der anfängliche Charakter der Gerechtigkeit. Jeder stellt den Andern zufrieden, indem jeder bekommt, was er mehr schätzt als der Andere. Man giebt jedem, was er haben will als das nunmehr Seinige, und empfängt dagegen das Gewünschte. Gerechtigkeit ist also Vergeltung und Austausch unter der Voraussetzung einer ungefähr gleichen Machtstellung: so gehört ursprünglich die Rache in den Bereich der Gerechtigkeit, sie ist ein Austausch. Ebenso die Dankbarkeit. - Gerechtigkeit geht natürlich auf den Gesichtspunct einer einsichtigen Selbsterhaltung zurück, also auf den Egoismus jener Ueberlegung: ,wozu sollte ich mich nutzlos schädigen und mein Ziel vielleicht doch nicht erreichen?" - Soviel vom Ursprung der Gerechtigkeit. Dadurch, dass die Menschen, ihrer intellectuellen Gewohnheit gemäss, den ursprünglichen Zweck sogenannter gerechter, billiger Handlungen vergessen haben und namentlich weil durch Jahrtausende hindurch die Kinder angelernt worden sind, solche Handlungen zu bewundern und nachzuahmen, ist allmählich der Anschein entstanden, als sei eine gerechte Handlung eine unegoistische: auf diesem Anschein aber beruht die hohe Schätzung derselben, welche überdiess, wie alle Schätzungen, fortwährend noch im Wachsen ist: denn etwas Hochgeschätztes wird mit Aufopferung erstrebt, nachgeahmt, vervielfältigt und wächst dadurch, dass der Werth der aufgewandten Mühe und Beeiferung von jedem Einzelnen noch zum Werth e des geschätzten Dinges hinzugeschlagen wird. - Wie wenig moralisch sähe die Welt ohne die Vergesslichkeit aus! Ein Dichter könnte sagen, dass Gott die Vergesslichkeit als Thürhüterin an die Tempelschwelle der Menschenwürde hingelagert habe."

S. 335
" 106.
Am Wasserfall. - Beim Anblick eines Wasserfalles meinen wir in den zahllosen Biegungen, Schlängelungen, Brechungen der Wellen Freiheit des Willens und Belieben zu sehen; aber Alles ist nothwendig, jede Bewegung mathematisch auszurechnen. So ist es auch bei den menschlichen Handlungen; man müsste jede einzelne Handlung vorher ausrechnen können, wenn man allwissend wäre, ebenso jeden Fortschritt der Erkenntnis, jeden Irrthum, jede Bosheit. Der Handelnde selbst steckt freilich in der Illusion der Willkür; wenn in einem Augenblick das Rad der Welt still stände und ein allwissender, rechnender Verstand da wäre, um diese Pausen zu benützen, so könnte er bis in die fernsten Zeiten die Zukunft jedes Wesens weitererzählen und jede Spur bezeichnen, auf der jenes Rad noch rollen wird. Die Täuschung des Handelnden über sich, die Annahme des freien Willens, gehört mit hinein in diesen auszurechnenden Mechanismus.

" 107.
Unverantwortlichkeit und Unschuld. -Die völlige Unverantwortlichkeit des Menschen für sein Handeln und sein Wesen ist der bitterste Tropfen, welchen der Erkennende schlucken muss, wenn er gewohnt war, in der Verantwortlichkeit und der Pflicht den Adelsbrief seines Menschenthums zu sehen. Alle seine Schätzungen, Auszeichnungen, Abneigungen sind dadurch entwerthet und falsch geworden: sein tiefstes Gefühl, das er dem Dulder, dem Helden entgegenbrachte, hat einem Irrthume gegolten; er darf nicht mehr loben, nicht tadeln, denn es ist ungereimt, die Natur und die Nothwendigkeit zu loben und zu tadeln."
[...]
"... der chemische Process und der Streit der Elemente, die Qual des Kranken, der nach Genesung lechzt, sind ebensowenig Verdienste, als jene Seelenkämpfe und Nothzustände, bei denen man durch verschiedene Motive hin- und hergerissen wird, bis man sich endlich für das mächtigste entscheidet - wie man sagt (in Wahrheit aber, bis das mächtigste Motiv über uns entscheidet)."

S. 340: Zitat von Byron:
"Sorrow is knowledge: they who know the most
must mourn the deepst o'er the fatal truth,
the tree of knowledge is not that of life."

S. 343: Goethe-Zitat
" Alle die Weisesten aller der Zeiten
lächeln und winken und stimmen mit ein:
Thöricht, auf Bess'rung der Thoren zu harren!
Kinder der Klugheit, o habet die Narren
eben zum Narren auch, wie sich's gehört!"

S. 353:
"122.
Die blinden Schüler. - So lange Einer sehr gut die Stärke und, Schwäche seiner Lehre, seiner Kunstart, seiner Religion kennt, ist deren Kraft noch gering. Der Schüler und Apostel, welcher für die Schwäche der Lehre, der Religion und so weiter, kein Auge hat, geblendet durch das Ansehen des Meisters und durch seine Pietät gegen ihn, hat desshalb gewöhnlich mehr Macht, als der Meister. Ohne die blinden Schüler ist noch nie der Einfluss eines Mannes und seines Werkes gross geworden. Einer Erkenntniss zum Siege verhelfen heisst oft nur: sie so mit der Dummheit verschwistern, dass das Schwergewicht der letzteren auch den Sieg für die erstere erzwingt."

S. 355
" 127
Verehrung des Wahnsinns. - Weil man bemerkte, dass eine Erregung häufig den Kopf heller machte und glückliche Einfälle hervorrief, so meinte man, durch die höchsten Erregungen werde man der glücklichsten Einfälle und Eingebungen theilhaftig: und so verehrte man den Wahnsinnigen als den Weisen und Orakelgebenden. Hier liegt ein falscher Schluss zu Grunde."

S. 508:
" 411.
Der weibliche Intellect. - Der Intellect der Weiber zeigt sich als vollkommene Beherrschung, Gegenwärtigkeit des Geistes, Benutzung aller Vortheile."...
"...: die Weiber haben den Verstand, die Männer das Gemüth und die Leidenschaft. Dem widerspricht nicht, dass die Männer thatsächlich es mit ihrem Verstande so viel weiterbringen: sie haben die tieferen, gewaltigeren Antriebe; diese tragen ihren Verstand, der an sich etwas Passives ist, so weit. Die Weiber wundern sich im Stillen oft über die grosse Verehrung, welche die Männer ihrem Gemüthe zollen."

MR/04.07.1999/Marit Rullmann: "Philosophinnen - von der Antike bis zur Aufklärung"
S. 176:
"Eng verwandt mit dem englischen >>Empirismus<<, folgte diese Vorstellung dem Grundsatz von John Locke: >>Im Verstand ist nichts, was nicht vorher in den Sinnen war.<<"

MR/5.7.99/Marit Rullmann "Philosophinnen - von der Antike bis zur Aufklärung"
S. 237: Mary Wollstonecraft (1759-1797)
"Ihre überpointierte ironische Schlußfolgerung - >>Die Peitsche wäre dann das Geschenk, das jeder Vater seinem Schwiegersohn am Hochzeitstag geben sollte, ... weil er es allein ist, der Vernunft hat - die göttliche unfehlbare, irdische Macht, dem Manne eingehaucht durch den Herrn der Schöpfung!<< (ebd. S. 154) - sollte als Nietzsche-Zitat in die Geschichte eingehen.[7]"

S. 240: "[7] Nach Bernd Nitzschke (in: DIE ZEIT, Nr. 41 v. 2.10.1992) kann davon ausgegangen werden, daß sich Friedrich Nietzsche hier explizit auf Mary Wollstonecraft bezieht. In Also sprach Zarathusthra läßt er das Alte Weib die Empfehlung geben: >>Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!<< (Nietzsche 1988, S. 86.) Dieses Zitat ist als eine der frauenfeindlichsten Äußerungen überhaupt nicht nur in die Philosophiegeschichte eingegangen; so eindeutig ist Nietzsches Frauenbild jedoch nicht gewesen. Gerade er hat als einer der wenigen Philosophen die Geschlechterdifferenz immer wieder thematisiert."

MR/ 5.7.99/ Manfred Eigen: "Jenseits von Ideologien und Wunschdenken - Perspektiven der Wissenschaft"
S. 60: "Die längst fällige Reform war so überfällig geworden, daß sie in Revolution ausarten musste. Optimierung ist evolutiver Natur. In einer Revolution indes bleibt das evolutiv Erreichte auf der Strecke."

S. 71: "Es handelt sich um Humbolds Konzept einer Einheit von >>Forschung und Lehre in Einsamkeit<<. Es ist richtig, daß hervorragende Ideen nur in Einsamkeit, in einer totalen Abkehr von der Wirklichkeit, gedeien. Es ist ebenso richtig, daß Wahrheitssuche keine Grenzen kennt. Karl Jaspers schreibt dazu: >>Das Durchdrungensein von der Idee der Universität ist Element einer Weltanschauung: des Willens zu unbeschränktem Forschen und Suchen, zur genzenlosen Entfaltung der Vernunft, zu Alloffenheit, zur Infragestellung von jedem, was in der Welt vorkommen kann.<<"

MR/18.7.99/Torsten Bultmann: "Perspektiven einer linken Wissenschafts - und Bildungspolitik unter Bedingungen schrumpfender Haushalte" bös: Bildungsökonomisches Symposium, 9.12.95
http://www.rrz.uni-hamburg.de/fsrwiwi/boes/effi.htm
"Vielleicht etwas überpointiert läßt sich verallgemeinern, daß "die Linke" auf der Ebene der globalen Systemkritik (ihrem ureigenen Terrain) recht bewandert ist, während sie auf der genannten Ebene der Kleinstalternativen entweder gar nicht agiert - folglich: mit sich machen läßt - oder bestenfalls defensiv reagiert. Konzeptionell ist sie nicht präsent. Mit diesem Dilemma muß sich folglich auch linke Wissenschaftspolitik auseinandersetzen, wenn sie mit den Alltagsproblemen in den Bildungs- und Wissenschaftseinrichtungen etwas zu tun haben will."

MR/4.8.99/Friedrich Nietzsche:" Menschliches, Allzumenschliches" Werke I
S. 407:
"212
Alte Zweifel an der Wirkung der Kunst. - sollten Mitleid und Furcht wirklich, wie Aristoteles will, durch die Tragödie entladen werden, so dass der Zuhörer kälter und ruhiger nach Hause zurückkehre? Sollten Geistergeschichten weniger furchtsam und abergläubisch machen? Es ist bei einigen physischen Vorgängen, zum Beispiel bei dem Liebesgenuss, wahr, dass mit der Befriedigung eines Bedürfnisses eine Linderung und zeitweilige Herabstimmung des Triebes eintritt. Aber die Furcht und das Mitleid sind nicht in diesem Sinne Bedürfnisse bestimmter Organe, welche erleichtert werden wollen. Und auf die Dauer wird selbst jeder Trieb durch Uebung in seiner Befriedigung gestärkt, trotz jener periodischen Linderungen. Es wäre möglich, dass Mitleid und Furcht in jedem einzelnen Falle durch die Tragödie gemildert und entladen würden: trotzdem könnten sie im Ganzen durch die tragische Einwirkung überhaupt grösser werden, und Plato behielte doch Recht, wenn er meint, dass man durch die Tragödie insgesammt ängstlicher und rührseliger werde. Der tragische Dichter selbst würde dann nothwendig eine düstere, furchtvolle Weltbetrachtung und eine weiche, reizbare, thränensüchtige Seele bekommen, desgleichen würde es zu Plato's Meinung stimmen, wenn die tragischen Dichter und ebenso die ganzen Stadtgemeinden, welche sich besonders an ihnen ergötzen, zu immer grösserer Maass- und Zügellosigkeit ausarten. - Aber welches Recht hat unsere Zeit überhaupt, auf die grosse Frage Plato's nach dem moralischen Einfluss der Kunst eine Antwort zu geben? Hätten wir selbst die Kunst, - wo haben wir den Einfluss, irgend einen Einfluss der Kunst?"

MR/6.8.99/Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches", Werke I
S. 431: "Der Staat ist eine kluge Veranstaltung zum Schutz der Individuen gegeneinander: übertreibt man seine Veredelung, so wird zuletzt das Individuum durch ihn geschwächt, ja aufgelöst - also der ursprüngliche Zweck des Staates am gründlichsten vereitelt."

S. 435: "240..."
"Je gründlicher Jemand das Leben versteht, um so weniger wird er spotten, nur daß er zuletzt vielleicht noch über die >>Gründlichkeit seines Verstehens<< spottet."

S. 439:
"246
Die Zyklopen der Kultur. - Wer jene zerfurchten Kessel sieht, in denen Gletscher gelagert haben, hält es kaum für möglich, dass eine Zeit kommt, wo an der selben Stelle ein Wiesen- und Waldthal mit Bächen darin sich hinzieht. So ist es auch in der Geschichte der Menschheit; die wildesten Kräfte brechen Bahn, zunächst zerstörend, aber trotzdem war ihre Thätigkeit nöthig, damit später eine mildere Gesittung hier ihr Haus aufschlage. Die schrecklichen Energien - Das, was man das Böse nennt - sind die cyklopischen Architekten und Wegebauer der Humanität."

S. 445
"254
Zunahme des Interessanten. - Im Verlaufe der höheren Bildung wird dem Menschen Alles interessant, er weiss die belehrende Seite einer Sache rasch zu finden und den Punct anzugeben, wo eine Lücke seines Denkens mit ihr ausgefüllt oder ein Gedanke durch sie bestätigt werden kann. Dabei verschwindet immer mehr die Langeweile, dabei auch die übermässige Erregbarkeit des Gemüthes. Er geht zuletzt wie ein Naturforscher unter Pflanzen, so unter Menschen herum und nimmt sich selber als ein Phänomen wahr, welches nur seinen erkennenden Trieb stark anregt."

MR/9.8.99/Nietzsche: "Menschliches, Allzumenschliches"
S. 536:
"463. Ein Wahn in der Lehre vom Umsturz. - Es giebt politische und sociale Phantasten, welche feurig und beredt zu einem Umsturz aller Ordnungen auffordern, in dem Glauben, dass dann sofort das stolzeste Tempelhaus schönen Menschenthums gleichsam von selbst sich erheben werde. In diesen gefährlichen Träumen klingt noch der Aberglaube Rousseau's nach, welcher an eine wundergleiche, ursprüngliche, aber gleichsam verschüttete Güte der menschlichen Natur glaubt und den Institutionen der Cultur, in Gesellschaft, Staat, Erziehung, alle Schuld jener Verschüttung beimisst. Leider weiss man aus historischen Erfahrungen, dass jeder solche Umsturz die wildesten Energien als die längst begrabenen Furchtbarkeiten und Maasslosigkeiten fernster Zeitalter von Neuem zur Auferstehung bringt: dass also ein Umsturz wohl eine Kraftquelle in einer mattgewordenen Menschheit sein kann, nimmermehr aber ein Ordner, Baumeister, Künstler, Vollender der menschlichen Natur. - Nicht Voltaire's maassvolle, dem Ordnen, Reinigen und Umbauen zugeneigte Natur, sondern Rousseau's leidenschaftliche Thorheiten und Halblügen haben den optimistischen Geist der Revolution wachgerufen, gegen den ich rufe: "Ecrasez l'infame! " Durch ihn ist der Geist der Aufklärung und der fortschreitenden Entwickelung auf lange verscheucht worden - sehen wir zu - ein Jeder bei sich selber - ob es möglich ist, ihn wieder zurückzurufen!"

S. 577:
"584. Punctum saliens der Leidenschaft. - Wer im Begriff ist, in Zorn oder in einen heftigen Liebesaffekt zu geraten, erreicht einen Punkt, wo die Sele voll ist wie ein Gefäß: aber doch muß ein Wassertropfen noch hinzukommen, der gute Wille zu Leidenschaft (den man auch gewähnlich den bösen nennt). Es ist nur dieses Pünktchen nötig, dann läuft das Gefäß über."

S. 601:
"634. Übrigens ist das methodische Suchen nach der Wahrheit selber das Resultat jener Zeiten, in denen die Überzeugungen miteinander in Fehde lagen."

MR/15.8.99/Friedrich Nietzsche: "Also sprach Zarathustra", in Werke II
S. 119: ">>Leib bin ich und Seele<< - so redet das Kind. Und warum sollte man nicht wie die Kinder reden? Aber der Erwachte, der Wissende sagt: Leib bin ich ganz und gar, und nichts außerdem: und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe. Der Leib ist eine große Vernunft, eine Vielheit mit einem Sinne, ein Krieg und ein Frieden, eine Herde und ein Hirt. Werkzeug deines Leibes ist auch deine kleine Vernunft, mein Bruder, die du >>Geist<< nennst, ein kleines Werk- und Spielzeug deiner großen Vernunft."

MR/23.8.99/F. Nietzsche: "Also sprach Zarathusthra", Werke 2
S. 171:
"Wohl zog ich den Schluß; nun aber zieht er mich.-"
"Schaffen - das ist die große Erlösung vom Leiden, und des Lebens Leichtwerden."

MR/26.8.99/Friedrich Nietzsche: "Also sprach Zarathusthra", Werke 2
S. 204: "Und ihr sagt mir, Freunde, daß nicht zu streiten sei über Geschmack und Schmecken?`Aber alles im Leben ist Streit um geschmack und Schmecken! Geschmack: das ist Gewicht zugleich und Wagschale und Wägender; und wehe allem Lebendigen, daß ohne Streit um Geschmack und Schmecken leben wollte!"

MR/26.8.99/ Friedrich Nietzsche: "Wir Furchtlosen", Werke 2
S. 49: "Ist das >>Ziel<<, der >>Zweck<< nicht oft genug nur ein beschönigender Vorwand, eine nachträgliche Selbstverblendung der Eitelkeit, die es nicht Wort haben will, daß das Schiff der Strömung folgt, in die es zufällig geraten ist? Daß es dorthin >>will<<, weil es dorthin muß? Daß es wohl eine Richtung, hat, aber ganz und gar - keinen Steuermann? - Man bedarf noch einer Kritik des Begriffs >>Zweck<<."

MR/26.8.99/Friedrich Nietzsche: "Also sprach Zarathusthra", Werke 2
"Als gestern der Mond aufging, wahnte ich, daß er eine Sonne gebären wolle: so breit und trächtig lag er am Horizonte.
Aber ein Lügner war er mir mit seiner Schwangerschaft; und eher noch will ich an den Mann im Monde glauben als an das Weib."

S: 209: "Dieses Gleichnis gebe ich euch, empfindsamen Heuchlern, euch, den >>Rein-Erkennenden<<! Euch heiße ich Lüsterne! Auch ihr liebt die Erde und das Irdische: ich erriet euch wohl! - aber Scham ist in eurer Liebe und schlechtes Gewissen, - dem Monde gleich. Und nun schämt sich euer Geist, daß er eueren Eingeweiden zu Willen ist, und geht vor seiner eigenen Scham Schleich- und Lügenwege."

MR/ 8.10.99/ Friedrich Nietzsche: "Also sprach Zarathusthra", Werke 2
S. 236: ">>Die stillsten Worte sind es, welche den Sturm bringen. Gedanken, die mit Taubenfüßen kommen, lenken die Welt."

MR/10.10.99/ Albert Camus: "Der Mythos von Sisyphos"
S. 77: "... Nur daß er bewußt und infolgedessen absurd ist. Ein hellsichtig gewordener Verführer wird sich deswegen nicht ändern. Verführen ist sein Element. Nur in Romanen ändert man seine Haltung, oder man wird besser. Man kann jedoch behaupten, daß nichts geändert und gleichzeitig alles verwandelt ist. Was Don Juan in Tätigkeit versetzt, ist eine Ethik der Quantität - im Gegensatz zum Heiligen, der zur Qualität neigt. An den tieferen Sinn der Dinge nicht glauben - das ist die Eigentümlichkeit des absurden Menschen."

MR/14.12.99/Spektrum der Wissenschaft - Biographie "Das neue Weltbild er Physik - EINSTEIN"
S. 27: "Man findet bei ihm wie bei anderen großen Wissenschaftlern von Anfang an eine äußerst strenge und ernsthafte Einstellung: Man kann mit Freunden oder Wissenschaftlern scherzen, aber nicht mit der Wissenschaft."

MR/14.12.99/Simone de Beauvoir: "Eine transatlantische Leibe - Briefe an Nelson Algren 1947 - 1966"
S. 28, Brief vom 24. Mai 1947:
"Noch jetzt begreife ich nicht richtig, warum je irgend jemand irgend etwas schreiben sollte. Die Welt ist, wie sie ist, existiert und braucht keine Worte."

S. 45: "Ich schreibe in der ersten Etage des Café de Flore, unseres Existentialisten-Cafés."

16.12.99/ Simone de Beauvoir: "Eine transatlantische Liebe - Briefe an Nelson Algren 1947 - 1966"
S. 113, Brief vom 14.10.1947:
"Nun, wenn man bestimmte Dinge ernst nimmt, erscheinen die anderen wirklich bedeutungslos. Und dann scheint mir mein eigenes Leben wichtig zu sein, da ich auf dieser Erde kein zweites habe; doch da ich weiß, daß ich sterben werde, ist es nicht in der Weise wichtig, wie manche Leute glauben. Aber solange ich lebe, kann ich recht leidenschaftlich sein und mir einige Dinge wirklich zu Herzen nehmen."

19.12.99/ S. 192, Brief vom 30.12.47:
"Ich finde, man muß sich frei fühlen und tun, was einem gefällt, man muß sogar in der Lage sein, seine Pläne umzuwerfen. Ich weiß, in einigen Bereichen sind Pläne nützlich, aber so viele Dinge sind schön und interessant, und wenn man das eine nicht tut, tut man eben das andere."

MR/22.12.99/Spektrum der Wissenschaft: Verständliche Forschung: "Newtons Universum", Vorwort von Eugen Seibold
S. 7: "Nicht der Glaube, sondern dieser methodische Zweifel, das heißt der Weg, Gewißheit zu gewinnen, indem man systematisch versucht, zunächst alles anzuzweifeln, hat in der Folge die Wissenschaft vorangetrieben - und treib sie noch heute voran, gegen allen zeitweiligen Glauben an Autoritäten."

"Und: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer"- wie es Franciesco Goya 1797 dargestellt hat."

MR/16.1.2000/ Peitgen Jürgens, Saupe: "Bausteine des Chaos - Fraktale"
Seite ix: "Gefragt war, eine flächenfüllende Kurve zu konstruieren. Hilbert löste das Problem durch eine rekursive Koknstruktion, die das Resultat zu einem Beispiel einer streng selbstähnlichen Struktur macht. Hilbert konnte nicht wissen, saß 100 Jahre später seine Konstruktion Anwendung in der Bildverarbeitung findern würde, nämlich im Zusammenhang des Problems, ein Halbtonbild auf einem Drucker wiederzugeben, der nur über schwarze Punkte verfügt [4] (dithering)."
"[4] Die Geschichte der Hilbert-Kurve und ihre Beziehung zu modernen Drucktechnicken ist ein weiterer, wenn auch bescheidener Beweis dafür, daß Technologieforschung auf Dauer nicht ohne Grundlagenforschung auskommen kann. Dies ist eine Einsicht, die leider manchen Ingenieuren und Politikern abhanden gekommen ist."
MR/14.2.00/Eva Demski: "Land und Leute", Essay: "Plädoyer für die Mittelmäßigkeit"
S. 344: "Ein Begriff, an dem sich links wie rechts falsch abarbeiten, ist zum Beispiel die >>Elite<<. Es war ziemlich blödsinnig, ihr mit Feindseligkeit zu begegnen - als hätte jeder Mensch auf der Welt die Fähigkeit, Opernsänger oder Atomphysiker zu werden, wenn man ihn nur ließe, und als ginge es darum, höher wachsenden Blumen die Köpfe abzuschneiden und an den kürzeren Halmen zu zerren. Das ganze Unglück ist doch, man kann's nicht oft genug sagen, der hilflose oder bösartige Umgang mit den Unterschieden. Deshalb wird das Gewicht erst einmal in die Ecke rutschen: Aus den Unterschieden ziehen die Rechten das, woran es ihrer Klientel notorisch mangelt: das Ich-bin-jemand-Gefühl. Es gibt immer noch einen drunter."

MR/19.03.2000/ "Einstein sagt - Zitate*Einfälle*Gedanken"
S. 139: "Der Gefühlszustand, der zu solchen Leistungen befähigt, ist dem des Religiösen oder Verliebten ähnlich; das tägliche Streben entspricht keinem Vorsatz oder Programm, sondern einem unmittelbaren Bedürfnis.
Aus >>Prinzipien der Forschung<<, Rede zum 60. Geburtstag von Max Planck; in Mein Weltbild, S. 109"

"Zunächst glaube ich mit Schopenhauer, daß eines der stärksten Motive, die zur Kunst und Wissenschaft hinführen, eine Flucht aus dem Alltagsleben mit seiner schmerzlichen Rauheit und trostlosen Öde, fort aus den Fesseln der ewig wechselnden eigenen Wünsche. Es treibt die feiner Besaiteten aus dem persönlichen dasein hinaus indie Welt des objektiven Schauens und Verstehens.
Ibid. S. 108"

S. 140: "Es ist meine innere Überzeugung, daß die Entwicklung der Wissenschaften sich in der Hauptsache auf die Bedürfnisse des reinen Erkennens gründet.
1920; Moszkowski, Einstein, S. 173"

S. 151: "Wenn [die Entwicklung der Wissenschaft] praktischen Zielen untergeordnet wird, dann stagniert wahre Wissenschaft.
Zitiert in Einstein, Über den Frieden, S. 412"

S. 144: "Der Naturwissenschaftler findet seinen Lohn in dem, was Henri Poincaré die Freude des Begreifens nennt und nicht in den Möglichkeiten der Anwendung, zu denen Entdeckungen führen können.
Epilog zu Planck, >>Where is Science going?<< 1921"

MR/21.4.00/Wolf Schneider: "Deutsch für Profis - Wege zu gutem Stil"
S. 13: "Damit fängt das Elend an: Einem unausrottbaren Vorurteil entgegen benutzen wir die Sprache nicht primär zu dem Zweck, Informationen auszutauschen. Wer seinen Mitmenschen lauscht, wird kaum der Schätzung widersprechen: Zu wenigstens neunzig Prozent besteht der tägliche Wortausstoß der Menschheit aus informationsfreiem Geplauder und leerem Geschwätz, aus Gebet und magischem Gemurmel."

MR/27.Juli 2000/Albert Camus: "Der erste Mensch"
S. 183: "Später sollte er sich an diese Geschichte erinnern, als er (wirklich) begriff, daß die Menschen so tun, als respektieren sie das Recht, und daß sie sich nur der Macht beugen."

S. 227: "Manchmal sah er Madame Raslins Beine wieder vor sich, wie an dem Tag, als ihm eine Schachtel Nadeln vor ihr hingefallen war, er sich kniete, um sie aufzuheben, und, als er den Kopf hob, ihre gespreizten Knie unter dem Rock und die Schenkel in Spitzendessous gesehen hatte. Bis dahin hatte er nie gesehen, was eine Frau unter ihren Röcken trägt, und dieses plötzliche Schauen trocknete seinen Mund aus und erfüllte ihn mit einem fast wahnsinnigen Zittern. ein Mysterium offenbarte sich ihm, das er trotz seiner unablässigen Erfahrungen nie ausschöpfen sollte."

S. 233: "..., danach trachtend, diese Welt, die er nicht kannte, zu verstehen, kennenzulernen, sich anzueignen, und die er sich tatsächlich aneignete, weil er sie in Angriff nahm, ohne zu versuchen, sich in sie einzuschleichen, gutwillig, aber nicht unterwürfig und ohne daß es ihm letztlich je an einer ruhigen Gewißheit fehlte, einer Sicherheit, ja, denn sie stellte sicher, daß er alles, was er wollte, erreichen würde, und daß nichts, was von dieser Welt ist und nur von dieser Welt, ihm jemals unmöglich sein würde, sich darauf vorbereitend (und auch durch die Kargheit seiner Kindheit darauf vorbereitet), sich überall zu Hause zu fühlen, weil er kein Zuhause wünschte, sondern nur Freude, freie Menschen, Kraft und alles, was das Leben an Gutem, Geheimnisvollem und dem hat, was man nicht kaufen kann und nie wird kaufen können. Er bereitete sich sogar durch die Armut darauf vor, eines Tages imstande zu sein, Geld zu bekommen, ohne je darum gebeten zu haben und ohne je darauf angewiesen zu sein, so wie er jetzt war, Jacques, mit vierzig Jahren, der so vieles beherrschte und doch so sicher war, weniger als der Geringste zu sein und auf jeden Fall nichts neben seiner Mutter."

S. 237: "..., von dem Duft jenes Lippenstifts, den Pierre einer seiner Tanten weggenommen hatte und an dem sie schnupperten wie erregte, unruhige Hunde, die in ein Haus kommen, in dem eine läufige Hündin gewesen ist, wobei sie sich vorstellten, die Frau sei dieser Stab süßlicher Creme- und Bergamotteduft, der in ihre brutale Welt des Geschreis, des Schwitzens und des Staubes die Offenbarung einer verfeinerten, zarten und unbeschreiblich verführerischen brachte, vor der sie nicht einmal die Zoten schützen konnten, die sie gleichzeitig um den Lippenstift herum äußerten, und seit seiner zartesten Kindheit die Liebe für Körper, für ihre Schönheit, die ihn am Strand vor Glück lachen ließ, für ihre Wärme, die ihn rastlos anzog, ohne bestimmte Vorstellung, animalisch, nicht um sie zu besitzen, was er gar nicht konnte, sondern nur um in ihr Strahlen einzudringen, sich mit der Schulter voller Hingabe und Vertrauen an die Schulter des Kameraden zu lehnen und fast ohnmächtig zu werden, wenn im Gedränge der Straßenbahn die Hand einer Frau etwas zu lange die seine berührte, und das Verlangen, ja, zu leben und wieder zu leben, sich mit dem zu vereinigen, was die Erde an Wärmstem hatte, ohne es zu wissen von seiner Mutter erwartete und nicht bekam oder vielleicht nicht zu bekommen wagte und was er bei dem Hund Brillant fand, wenn er sich dicht neben ihn in die Sonne legte und den starken Geruch seines Fells roch, oder in den stärksten und animalischsten Gerüchen, in denen die schreckliche Wärme des Lebens trotz allem für ihn, der nicht ohne sie auskam, aufbewahrt war.
In diesem Dunkel in seinem Innern keimte jene hungrige Lebensgier, jene Lebenslust, die ihn immer beseelt hatte und noch heute seine Person zusammenhielt und inmitten seiner wiederum um ihn versammelten Familie angesichts der Bilder seiner Kindheit das plötzlich schreckliche Gefühl, daß die Zeit der Jugend entfloh, nur noch bitterer machte, entfloh, wie jene Frau, die er geliebt hatte, o ja, er hatte sie mit großer Liebe, von ganzem Herzen und auch ganzem Körper geliebt, ja, die Sinneslust war königlich mit ihr, und wenn er sich auf dem Höhepunkt der Lust mit einem heftigen stummen Schrei aus ihr zurückzog, fand die Welt ihre leidenschaftliche Ordnung wieder, und er hatte sie wegen ihrer Schönheit und jener großzügigen und verzweifelten Lebensgier geliebt, die wie seine war und die sie abstreiten ließ, abstreiten, daß die Zeit vergehen könne, obwohl sie wusste, daß sie in ebenjenem Augenblick verging, weil sie nicht wollte, daß man eines Tages von ihr sagen könnte, sie sei noch jung, sondern sie wollte im Gegenteil jung bleiben, immer jung, ..."

S. 389: "..., und nur der blinden Hoffnung hingegeben, jene auch in härtesten Situationen gleich starke dunkle Kraft, die ihn so viele Jahre über die Tage getragen hatte, uneingeschränkt gestärkt hatte, möge ihm mit der gleichen rastlosen Großzügigkeit, mit der sie ihm Gründe zu leben gegeben hatte, Gründe dafür liefern, alt zu werden und ohne Aufbegehren zu sterben."

S. 246, Anhang, Blatt IV:
"Wichtig auch das Thema der Komödie. Was uns aus unseren schlimmsten Schmerzen errettet, ist das Gefühl, verlassen und allein zu sein, jedoch nicht allein genug, als daß <<die anderen>> uns in unserem Unglück nicht <<beachten>>. In diesem Sinne sind unsere Minuten des Glücks manchmal gerade die, in denen uns das Gefühl unserer Verlassenheit erfüllt, und uns in eine Traurigkeit ohne Ende versetzt. In diesem Sinn ist auch Glück oft nur die mitleidige Rührung über unser Unglück."

S. 252, "Der erste Mensch (Notizen und Pläne)"
"Gerechtigkeit und Moral lernen heißt, das Gute und Böse einer Leidenschaft nach ihren Auswirkungen zu beurteilen. J. kann sich den Frauen hingeben - aber wenn sie seine ganze Zeit in Anspruch nehmen ..."

"Pierre Anwalt. Und Anwalt von Yveton [i].
<<So tapfer und stolz und stark wie wir sind ..., hätten wir einen Glauben, einen Gott, könnte nichts uns etwas anhaben. Aber wir hatten nichts, wir mussten alles lernen und nur für die Ehre leben, die ihre Schwächen hat ...>>
[i] Kommunistischer Aktivist, der in einer Fabrik Sprengstoff gelegt hatte. Im Algerienkrieg guillotiniert."

S. 254: "und außerdem:
Man kann nicht mit der Wahrheit leben - <<wissend>> -, wer es tut, sondert sich von den anderen Menschen ab, er kann in nichts mehr an ihrer Illusion teilhaben. Er ist in Monstrum - und eben das bin ich."

S. 260: "Pierre mit Marie. Am Anfang kann er sie nicht nehmen: deshalb beginnt er sie zu lieben. Dagegen J. mit Jessica, das sofortige Glück. Deshalb brauchte er Zeit, um sie wirklich zu lieben - ihr Körper verbiegt sie."

S. 271: "Er hatte seine Mutter und sein Kind geliebt, alles, was nicht von seiner Wahl abhängig war. Und letztlich hatte er, der alles bestritten, alles in Frage gestellt hatte, immer nur das Notwendige geliebt. Die Menschen, die das Schicksal ihm aufgedrängt hatte, die Welt, so wie sie ihm erschien, alles, was er in seinem Leben nicht hatte vermeiden können, die Krankheit, die Berufung, den Ruhm oder die Armut, seinen Stern eben. Bei allem übrigen, bei allem, was er hätte wählen müssen, hatte er sich bemüht, zu lieben. Was nicht dasselbe ist. Er hatte wohl Hingerissensein, Leidenschaft und sogar Augenblicke der Zärtlichkeit gekannt. Aber jeder Augenblick hatte ihn weitergetrieben zu anderen Augenblicken, jeder Mensch zu anderen Menschen, er hatte letzten Endes nichts von dem geliebt, was er gewählt hatte, außer dem, was sich ihm durch die Umstände allmählich aufgedrängt hatte, ebenso zufällig wie willentlich gedauert hatte und schließlich notwendig geworden war: Jessica. Die wahre Liebe ist weder eine Wahl noch eine Freiheit. Das Herz, vor allem das Herz ist nicht frei. Es ist das Unvermeidliche und die Erkenntnis des Unvermeidlichen. Er hatte von ganzem Herzen wirklich nie etwas anderes als das Unvermeidliche geliebt. Jetzt brauchte er nur noch seinen eigenen Tod zu lieben."

S. 272: "Man besitzt nur das Notwendige, und man muß darauf zurpckgreifen und (siehe vorherige Notiz) sich ihm fügen. Doch welche Wehmut und welches Bedauern! Man muß verzichten. Nein, lernen, das Unreine zu lieben."

MR/31.7.00/ Barbara Noh et. al "Kritischer Ratgeber Wissenschaft*Studium*Hochschulpolitik", Reihe Hochschule, Band 3, BdWi-Verlag
S. 169, Dagmar Heymann: "Naturwissenschaft und Technik"
"Natur und Technik entstehen im Kopf
Aus diesen Überlegungen heraus und in Verbindung mit den neueren Forschungen zur Biologie des Erkennens läßt sich der Forschungsprozeß als ein Konstruktionsvorgang von WissenschaftlerInnen begreifen, der in den Köpfen und im Labor geschieht. Diese Konstruktionen sind aber nicht beliebig, wie häufig mit dem Vorwurf des Relativismus unterstellt wird, sie werden viel mehr konstruiert und dann auf Funktionstüchtigkeit überprüft. Das heißt, wir prüfen, ob bestimmte Modellvorstellungen experimentell erzeugt werden können, oder ob unsere Konstrukte funktionsuntüchtig sind;"

MR/ 2.9.00/ Also sprach Zarathustra, Friedrich Nietzsche, Werke 2
S. 250:
"Und er wartete auf sein Unglück die ganze Nacht: aber er wartete umsonst. Die Nacht blieb hell und still, und das Glück selber kam ihm immer näher und näher. Gegen Morgen aber lachte Zarathustra zu seinem Herzen und sagte spöttisch: >>das Glück läuft mir nach. Das kommt davon, daß ich nicht den Weibern nachlaufe. Das Glück aber ist ein Weib.<<

256
"Und auch das lernte ich unter ihnen: der Lobende stellt sich, als gäbe er zurück, in Wahrheit aber will er mehr beschenkt sein!"

S. 259
"Ach, daß ihr alles halbe Wollen von euch abtätet und entschlossen wurdet zur Trägheit wie zur Tat! Ach, daß ihr mein Wort verstündet: >>tut immerhin, was ihr wollt, - aber seid solche, die wollen können!<< >>Liebt immerhin euren Nächsten gleich euch, - aber seid mir erst solche, die sich selber lieben - mit der großen Liebe lieben, mit der großen Verachtung lieben!<< Also spricht Zarathustra, der Gottlose."

S. 263: ">>am Eis der Erkenntnis erfriert er uns noch!<<

S. 268: "Daß Blätter welk werden, - was ist da zu klagen! Laß sie fahren und fallen, oh Zarathustra, und klage nicht! Lieber noch blase mit raschelnden Winden unter sie, - blase unter diese Blätter, oh Zarathustra: daß alles Welke schneller noch von dir davonlaufe!"

"Du weißt es wohl: dein feiger Teufel in dir, der gerne Hände-Falten und Hände-in-den-Schoß-legen und es bequemer haben möchte: - dieser feige Teufel redet dir zu >>es gibt einen Gott"<< Damit aber gehörst du zur lichtscheuen Art, denen Licht nimmer Ruhe läßt; nun mußt du tätlich deinen Kopf tiefer in Nacht und Dunst stecken!"

S. 271: "Also redet Zarathustra in der Stadt, die er liebte und welche zubenannt ist >>die bunte Kuh<<."

S. 274: "Sonderlich Die, welche sich >>die Guten<< heißen, fand ich als die giftigsten Fliegen: sie stechen in aller Unschuld, sie lügen in aller Unschuld; wie vermöchten sie gegen mich - gerecht zu sein!"

MR/10.9.00/Zarathustra
S. 274: ">>unschuldig ist alles Kleine an seiner Kleinheit!<<"

S. 283: "Und ungern nur fragte ich stets nach Wegen, - das ging mir wider den Geschmack! Lieber fragte und versuchte ich die Wege selber"

MR/16.9.00/Zarathustra
S. 284: ">>Das - ist nun mein Weg, - wo ist der eure?<< so antwortete ich Denen, welche mich >>nach dem Wege<< fragten. Den Weg nämlich - den gibt es nicht!"

S. 291: "denn wenig Wert hat Alles, was seinen Preis hat."

S. 292: Nicht, woher ihr kommt, mache euch fürderhin eure Ehre, sondern wohin ihr geht! Euer Wille und euer Fuß, der über euch selbst hinaus will, - das mache eure neue Ehre!"

S. 298: "Und oft ist mehr Tapferkeit darin, daß einer sich hält und vorübergeht: damit er sich dem würdigeren Feind aufspare!
Ihr sollt nur Feinde haben, die zu hassen sind, aber nicht Feinde zum Verachten: ihr müsst stolz auf euren Feind sein: also lehrte ich schon Ein Mal."

S. 301: "Oh meine Brüder! Bei Welchen liegt doch die größte Gefahr aller Menschen-Zukunft? Ist es nicht bei den Guten und Gerechten?-
- als bei Denen, die sprechen und im Herzen fühlen: >>wir wissen schon, was gut ist und gerecht, wir haben es auch; wehe Denen, die hier noch suchen!<<"

S. 313: "- hat der Geber nicht zu danken, daß der Nehmende nahm? Ist Schenken nicht eine Notdurft? Ist Nehmen nicht - Erbarmen?<< - "

S. 338 "Mein Gewissen des Geistes will es so von mir, daß ich Eins weiß und sonst Alles nicht weiß: es ekelt mich aller Halben des Geistes, aller Dunstigen, Schwebenden, Schwärmerischen.
Wo meine Redlichkeit aufhört, bin ich blind und will auch blind sein. Wo ich aber wissen will, will ich auch redlich sein, nämlich hart, streng, eng, grausam, unerbittlich."

MR/16.9.00/ "Die fröhliche Wissenschaft, fünftes Buch, Wir Furchtlosen" Werke "
S. 36
"Der Ursprung unseres Begriffes >>Erkenntnis<<."
"etwas Fremdes soll auf etwas Bekanntes zurückgeführt werden."

MR/17.9.00/Zarathustra
S. 350: "Er war auch undeutlich. Was hat er uns darob gezürnt, dieser Zornschnauber, daß wir ihn schlecht verstünden! Aber warum sprach er nicht reinlicher?
Und lag es an unseren Ohren, warum gab er uns Ohren, die ihn schlecht hörten? War Schlamm in unseren Ohren, wohlan! wer legte ihn hinein?
Zu vieles mißriet ihm, diesem Töpfer, der nicht ausgelernt hatte! Daß er aber Rache an seinen Töpfen und Geschöpfen nahm, dafür, daß sie ihm schlecht gerieten, - das war eine Sünde wider den guten Geschmack."

S. 362: Der Schatten
"<Nichts ist wahr, Alles ist erlaubt>: so sprach ich zu mir. In die kältesten Wasser stürzte ich mich mit Kopf und Herzen. Ach, wie oft stand ich darob nackt als roter Krebs da!
Ach, wohin kam mir alles Gute und alle Scham und aller Glaube an die Guten! Ach wohin ist jene verlogene Unschuld, die ich einst besaß, die Unschuld der Guten und ihrer edlen Lügen"
Zu oft, wahrlich, folgte ich der Wahrheit dicht auf dem Fuße: da trat sie mir vor den Kopf. Manchmal meinte ich zu lügen, und siehe! da erst traf ich - die Wahrheit.
Zu Viel klärte sich vor mir auf: nun geht mich Nichts mehr an. Nichts lebt mehr, das ich liebe, - wie sollte ich mich noch selber lieben?
>>Leben, wie ich Lust habe, oder gar nicht leben<<: so will ich's so will's auch der Heiligste. Aber, wehe! wie habe ich noch - Lust?
Habe ich - noch ein Ziel? Einen Hafen, nach dem mein Segel läuft?
Einen guten Wind? Ach nur wer weiß, wohin er fährt, weiß auch, welcher Wind gut und sein Fahrwind ist.
Was blieb mir noch zurück? Ein Herz müde und frech; ein unsteter Wille; Flatter-Flügel; ein zerbrochenes Rückgrat.
Dieses Suchen nach meinem Heim: oh Zarathustra, weißt du wohl, dieses Suchen war meine Heimsuchung, es frißt mich auf.
>>Wo ist - mein Heim?<< Danach frage und suche und suchte ich, das fand ich nicht. Oh ewiges Überall, oh ewiges Nirgendwo, oh ewiges - Umsonst!<<
Also sprach der Schatten, und Zarathustras Gesicht verlängerte sich bei seinen Worten. >>Du bist mein Schatten!<< sagte er endlich, mit Traurigkeit."

MR/24.9.00/"Philosophinnen - Von der Romantik bis zur Moderne", Marit Rullmann
S. 233: "In den Jahren 1937/38 erlebte Simone Weil mehrmals eine ihr weiteres Leben bestimmende religiöse Erweckung, z.B. in Assisi und während der Karwoche 1938 im Benediktinerkloster Solesmes. von da an hatte sie wiederkehrende Visionen, häufig in Verbindung mit starken Migräneanfällen."

Zarathustras Vorrede, vom letzten Menschen
S. 103: "Kein Hirt und Eine Herde! Jeder will das gleiche. Jeder ist gleich: wer anders fühlt, geht freiwillig ins Irrenhaus."

S. 102: "Ich sage euch: man muß noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch."

"Also sprach Zarathustra - vierter und letzter Teil"
S. 392: ">>Du lobst mich<<, entgegnete der Gewissenhafte, >>indem du mich von dir abtrennst, wohlan! Aber ihr Anderen, was sehe ich? Ihr sitzt alle noch mit lüsternen Augen da -:
Ihr freien Seelen, wohin ist eure Freiheit! Fast dünkt mich's, gleicht ihr solchen, die lange schlimmen tanzenden nackten Mädchen zusahn: eure Seelen tanzen selber!"

S. 393:" Furcht nämlich, das ist des Menschen Erb- und Grundgefühl; aus der Furcht erklärt sich jegliches, Erbsünde und Erbtugend. Aus der Furcht wuchs auch meine Tugend, die heißt: Wissenschaft."

MR/9.2.2001/"Die Entdeckung der Langsamkeit", Stan Nadolny
S. 280: "Irgendwann stritten sie sich über die Liebe. Als Franklin zugab, daß ihn vielleicht das Entdecken mehr interessierte als die Liebe, und in der Liebe am meisten das Entdecken, wurde sie pathetisch und persönlich zugleich, eine ungute Mischung. >>Ich hätte dem großen Sieger über Hunger und Eis nicht so nahe kommen sollen! Was von weitem wie Kraft aussieht, ist von nahem gesehen Logik und Pedanterie.<< Franklin überlegte. Weder am Reden noch an ihrem Zorn wollte er sie hindern. Aber wenn sie ihn nun ganz anders haben wollte, als er war?
>>Ich muß so sein! Ohne Vorbereitung und feste Regeln herrscht in meinem Kopf Chaos - eher als in deinem.<<
>>Darum geht es nicht!<< antwortete Eleanor. Dieser Satz machte Franklin Sorge, denn seit der Zeit mit Flora Reed wußte er nur zu gut: ein Streit, bei dem einer dem anderen erklärte, worum es ging, war ausweglos."

S. 281: "Eleanor war ernstlich krank. Die Ärzte kamen und gingen, die Diagnosen widersprachen sich, der Husten blieb. Die Krankheit brachte die Liebe nicht zurück, aber sie machte John barmherzig gegen Eleanors kleine Tücken, die ihr ohnehin nicht viel nutzten. Ihre Versuche, John durch Verletztheiten und Vorwürfe zu regieren, verfingen nicht. Er saß an ihrem Bett, hörte ihr freundlich und schuldbewußt zu und dachte konzentriert an Pemmikan, Schneeschuhe, Wasserfälle und Teevorräte.
Kurz vor dem Abschied entdeckte Eleanor sich als die hingebungsvolle Gattin eines bedeutenden Forschers, sie ging ganz in seinen Zielen auf und war ihm durch die Tiefe dieser Hingabe ebenbürtig. Keinesfalls, sagte sie, dürfe er ihretwegen zurückbleiben, unter keinen Umständen die Nordwestpassage auf dem Altar der Ehe opfern. In mühseliger Arbeit nähte und bestickte sie eine große Fahne, die Hände vom Krankenbett emporgestreckt. Immer wieder fiel ihr die Nadel ins Gesicht, es war wirklich keine leichte Arbeit. Als sie fertig war, faßte sie Johns Hand und sprach: >>Fahr hinaus, Löwenherz! Enthülle die Fahne am stolzesten Punkt deiner Reise!<< >>Gern<<, murmelte er, >>herzlich gern<<, und glaubte plötzlich ganz sicher zu wissen, daß er weder die Liebe noch die Frauen je verstehen würde. Die Frauen wollten in der Welt etwas anderes, das konnte man nur respektieren."

Teil 2