Zitate: Determinismus und "Freier Wille"

Demokrit:

"Alles, was im Weltall existiert, ist die Frucht von Zufall und Notwendigkeit."

Piere Simon de Laplace, 1776:

"Der momentane Zustand des 'Systems' Natur ist offensichtlich eine Folge dessen, was er im vorherigen Moment war. Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennte, durch welche die Natur belebt wird, und die entsprechende Lage aller Teile, aus denen sie zusammengesetzt ist, und darüber hinaus breit genug wäre, um alle diese Daten einer Analyse zu unterziehen, würde in derselben Formel die Bewegungen der größten Körper des Universums und die des kleinsten Atoms umfassen. Für sie wäre nichts ungewiß, und die Zukunft ebenso wie die Vergangenheit wäre in ihren Augen gegenwärtig. Der menschliche Verstand, in der Perfektion, die er in der Lage war, der Astronomie zu geben, stellt ein schwaches Abbild dieser Intelligenz dar."

Friedrich Nietzsche : "Menschliches, Allzumenschliches"

"29.
Vom Dufte der Blüthen berauscht. - Das Schiff der Menschheit, meint man, hat einen immer stärkeren Tiefgang, je mehr es belastet wird; man glaubt, je tiefer der Mensch denkt, je zarter er fühlt, je höher er sich schätzt, je weiter seine Entfernung von den anderen Thieren wird, - je mehr er als das Genie unter den Thieren erscheint, - um so näher werde er dem wirklichen Wesen der Welt und deren Erkenntniss kommen: diess thut er auch wirklich durch die Wissenschaft, aber er meint diess noch mehr durch seine Religionen und Künste zu thun. Diese sind zwar eine Blüthe der Welt, aber durchaus nicht der Wurzel der Welt näher, als der Stengel ist: man kann aus ihnen das Wesen der Dinge gerade gar nicht besser verstehen, obschon dies fast jedermann glaubt. Der Irrthum hat den Menschen so tief, zart, erfinderisch gemacht, eine solche Blüthe, wie Religionen und Künste, herauszutreiben. Das reine Erkennen wäre dazu ausser Stande gewesen. Wer uns das Wesen der Welt enthüllte, würde uns Allen die unangenehmste Enttäuschung machen. Nicht die Welt als Ding an sich, sondern die Welt als Vorstellung (als Irrthum) ist so bedeutungsreich, tief, wundervoll, Glück und Unglück im Schoosse tragend. Diess Resultat führt zu einer Philosophie der logischen Weltverneinung:welche übrigens sich mit einer praktischen Weltbejahung ebensogut wie mit deren Gegentheile vereinigen lässt.

" 106.
Am Wasserfall. - Beim Anblick eines Wasserfalles meinen wir in den zahllosen Biegungen, Schlängelungen, Brechungen der Wellen Freiheit des Willens und Belieben zu sehen; aber Alles ist nothwendig, jede Bewegung mathematisch auszurechnen. So ist es auch bei den menschlichen Handlungen; man müsste jede einzelne Handlung vorher ausrechnen können, wenn man allwissend wäre, ebenso jeden Fortschritt der Erkenntnis, jeden Irrthum, jede Bosheit. Der Handelnde selbst steckt freilich in der Illusion der Willkür; wenn in einem Augenblick das Rad der Welt still stände und ein allwissender, rechnender Verstand da wäre, um diese Pausen zu benützen, so könnte er bis in die fernsten Zeiten die Zukunft jedes Wesens weitererzählen und jede Spur bezeichnen, auf der jenes Rad noch rollen wird. Die Täuschung des Handelnden über sich, die Annahme des freien Willens, gehört mit hinein in diesen auszurechnenden Mechanismus.

" 107.
Unverantwortlichkeit und Unschuld. -Die völlige Unverantwortlichkeit des Menschen für sein Handeln und sein Wesen ist der bitterste Tropfen, welchen der Erkennende schlucken muss, wenn er gewohnt war, in der Verantwortlichkeit und der Pflicht den Adelsbrief seines Menschenthums zu sehen. Alle seine Schätzungen, Auszeichnungen, Abneigungen sind dadurch entwerthet und falsch geworden: sein tiefstes Gefühl, das er dem Dulder, dem Helden entgegenbrachte, hat einem Irrthume gegolten; er darf nicht mehr loben, nicht tadeln, denn es ist ungereimt, die Natur und die Nothwendigkeit zu loben und zu tadeln."

[...]

"... der chemische Process und der Streit der Elemente, die Qual des Kranken, der nach Genesung lechzt, sind ebensowenig Verdienste, als jene Seelenkämpfe und Nothzustände, bei denen man durch verschiedene Motive hin- und hergerissen wird, bis man sich endlich für das mächtigste entscheidet - wie man sagt (in Wahrheit aber, bis das mächtigste Motiv über uns entscheidet)."

S. 340: Zitat von Byron:
"Sorrow is knowledge: they who know the most
must mourn the deepst o'er the fatal truth,
the tree of knowledge is not that of life."

Friedrich Nietzsche in "Also sprach Zarathustra":

">>Leib bin ich und Seele<< - so redet das Kind. Und warum sollte man nicht wie die Kinder reden? Aber der Erwachte, der Wissende sagt: Leib bin ich ganz und gar, und nichts außerdem: und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe. Der Leib ist eine große Vernunft, eine Vielheit mit einem Sinne, ein Krieg und ein Frieden, eine Herde und ein Hirt. Werkzeug deines Leibes ist auch deine kleine Vernunft, mein Bruder, die du >>Geist<< nennst, ein kleines Werk- und Spielzeug deiner großen Vernunft."

Friedrich Nietzsche in "Jenseits von Gut und Böse":

S. 25:
"17.
Was den Aberglauben der Logiker betrifft: so will ich nicht müde werden, eine kleine, kurze Tatsache immer wieder zu unterstreichen, welche von diesen Abergläubischen ungern zugestanden wird, - nämlich, daß ein Gedanke kommt, wenn >>er<< will, und nicht wenn >>ich<< will; so daß es eine Fälschung des Tatbestandes ist zu sagen: das Subjekt >>ich<< ist die Bedingung des Prädikats >>denke<<."

S. 26
"18.
An einer Theorie ist es wahrhaftig nicht ihr geringster Reiz, daß sie widerlegbar ist: gerade damit zeiht sie feinere Köpfe an. Es scheint, daß die hundertfach widerlegte Theorie vom >>freien Willen<< ihre Fortdauer nur noch diesem Reize verdankt -: immer wieder kommt Jemand und fühlt sich stark genug, sie zu widerlegen."

"19.
Die Philosophen pflegen vom Willen zu reden, wie als ob er die bekannteste Sache von der Welt sei; ja Schopenhauer gab zu verstehen, der Wille allein sei uns eigentlich bekannt, ganz und gar bekannt, ohne Abzug und Zutat bekannt. Aber es dünkt mich immer wieder, daß Schopenhauer auch in diesem Falle nur getan hat, was Philosophen eben zu tun pflegen: daß er ein Volks-Vorurteil übernommen und übertrieben hat. Wollen scheint mir vor Allem etwas Kompliziertes, Etwas, das nur als Wort eine Einheit ist, - und eben im Einen Worte steckt das Volks-Vorurteil, das über die allzeit nur geringe Vorsicht der Philosophen Herr geworden ist. Seien wir also einmal vorsichtig, seien wir >>unphilosophisch<< -, sagen wir: in jedem Wollen ist erstens eine Mehrheit von Gefühlen, nämlich das Gefühl des Zustandes von dem weg, das Gefühl des Zustandes, zu dem hin, das Gefühl von diesem >>weg<< und >>hin<< selbst, dann noch ein begleitendes Muskelgefühl, welches auch ohne daß wir >>Arme und Beine<< in Bewegung setzen, durch eine Art Gewohnheit, sobald wir >>wollen<<, sein Spiel beginnt. Wie also Fühlen und zwar vielerlei Fühlen als Ingredienz des Willens anzuerkennen ist, so zweitens auch noch Denken: in jedem Willensakte gibt es einen kommaniderenden Gedanken; - und man soll ja nicht glauben, diesen Gedanken von dem >>Wollen<< abscheiden zu können, wie als ob dann noch Wille übrigbliebe! Drittens ist der Wille nicht nur ein Komplex von Fühlen und Denken, sondern vor Allem noch ein Affekt: und zwar jener Affekt des Kommandos. Das, was >>Freiheit des Willens<< genannt wird, ist wesentlich der Überlegenheits-Affekt in Hinsicht auf Den, der gehorchen muß: >>ich bin frei, >>er<< muß gehorchen<< - dieses Bewußtsein steckt in jedem Willen, und ebenso jene Spannung der Aufmerksamkeit, jener gerade Blicke, der ausschließlich Eins fixiert, jene unbedingte Wertschätzung >>jetzt tut dies und nichts Anderes not<<, jene innere Gewißheit darüber, daß gehorcht werden wird, und was Alles noch zum Zustande des Befehlenden gehört. Ein Mensch, der will -, befiehlt einem Etwas in sich, das gehorcht oder von dem er glaubt, daß es gehorcht. Nun aber beachte man, was das Wunderlichste am Willen ist, - an diesem so vielfachen Dinge, für welches das Volk nur Ein Wort hat: insofern wir im gegebenen Falle zugleich die Befehlenden und Gehorchenden sind, und das Gehorchende die Gefühle des Zwingens, Drängens, Drückens, Widerstehens, Bewegens kennen, welche sofort nach dem Akte des Willens zu beginnen pflegen; insofern wir andererseits die Gewohnheit haben, uns über diese Zweiheit vermöge des synthetischen Begriffs >>ich<< hinwegzusetzen, hinwegzutäuschen, hat sich an das Wollen noch eine ganze Kette von irrtümlichen Schlüssen und folglich falschen Wertschätzungen des Willens selbst angehängt, - dergestalt, daß der Wollende mit gutem Glauben glaubt, wollen genüge zur Aktion. Weil in den allermeisten Fällen nur gewollt worden ist, wo auch die Wirkung des Befehls, also der Gehorsam, also die Aktion erwartet werden durfte, so hat sich der Anschein in das Gefühl übersetzt, als ob es da eine Notwendigkeit von Wirkung gäbe; genug, der Wollende glaubt, mit einem ziemlichen Grad von Sicherheit, daß der Wille und Aktion irgendwie Eins seien -, er rechnet das Gelingen, die Ausführung des Wollens noch dem Willen selbst zu und genießt dabei einen Zuwachs jenes Machtgefühls, welches alles Gelingen mit sich bringt. >>Freiheit des Willens<< - das ist das Wort für jenen vielfachen Lust-Zustand des Wollenden, der befiehlt und sich zugleich mit dem Ausführenden als Eins setzt, - der als solcher den Triumpf über Widerstände mit genießt, aber bei sich urteilt, sein Wille selbst sei es, der eigentlich die Widerstände überwinde. Der Wollende nimmt dergestalt die Lustgefühle der ausführenden, erfolgreichen Werkzeuge, der dienstbaren >>Unterwillen<< oder Unter-Seelen - unser Leib ist ja nur ein Gesellschaftsbau vieler Seelen - zu seinem Lustgefühle als Befehlender hinzu. L'effet c'est moi: es begibt sich hier, was sich in jedem gut bebauten und glücklichen Gemeinwesen begibt, daß die regierende Klasse sich mit den Erfolgen des Gemeinwesens identifiziert. Bei allem Wollen handelt es sich schlechterdings um Befehlen und Gehorchen, auf der Grundlage, wie gesagt, eines Gesellschaftsbaus vieler >>Seelen<<: weshalb ein Philosoph sich das Recht nehmen sollte, Wollen an sich schon unter den Gesichtskreis der Moral zu fassen: Moral nämlich als Lehre von den Herrschafts-Verhältnissen verstanden, unter denen das Phänomen >>Leben<< entsteht. -"

Erwin Schrödinger "Was ist Leben?"

"Nach dem oben vorgebrachten sind die raumzeitlichen Abläufe im Körper eines Lebewesens, die seiner Geistestätigkeit und seinen bewußt oder sonstwie ausgeführten Handlungen entsprechen, wenn nicht strikt deterministischer, so doch stochastisch-deterministischer Art (auch in Anbetracht ihrer komplexen Struktur und der allgemein anerkannten Deutung der physikalischen Chemie). Dem Physiker gegenüber möchte ich betonen, daß nach meiner Ansicht, die allerdings verschiedentlich nicht geteilt wird, die Unbestimmtheit der Quanten bei diesen Vorgängen keine biologisch wesentliche Rolle spielt, ausgenommen vielleicht durch Steigerung des Zufallscharakters von Vorgängen wie der Reifeteilung, der natürlichen und der durch Röntgenstrahlen hervorgerufenen Mutationen u.s.w. - und das ist sowieso unbestritten. Wir wollen diese Behauptung zunächst als feststehende Tatsache betrachten, wie es wohl jeder unvoreingenommene Biologe tun würde, wenn nicht das wohlbekannte unangenehme Gefühl da wäre, das entstehe, wenn man >> sich selber als bloßen Mechanismus erklähren<< soll. Man hat nämlich den Eindruck, daß sie der Willensfreiheit, die durch die unmittelbare Erfahrung verbürgt ist, widerspricht."
 
 

Albert Camus: "Der Mythos von Sisyphos - ein Versuch über das Absurde"

"Alles ist erlaubt - das bedeutet nicht, daß nichts verboten währe. Das Absurde gibt nur den Folgen dieser Handlungen ihre Gleichwertigkeit. Es empfiehlt nicht das Verbrechen - das wäre kindisch, aber es gibt dem Gewissen seine Nutzlosigkeit wieder."

"Jedwede Moral beruht auf der Vorstellung, daß eine Tat Folgen hat, die sie rechtfertigen oder entwerten. Ein Geist, der vom Absurden durchdrungen ist, meint nur, daß diese Folgen mit Ruhe betrachtet werden müssen."

"Also kann der absurde Geist am Ende seiner Überlegung nicht ethische Regeln suchen, sondern Erklährungen und den Atem menschlichen Lebens."

"Der Hoffnung beraubt sein heißt noch nicht: verzweifeln."

"Für den absurden Menschen geht es nicht mehr um Erklärungen und Lösungen, sondern um Erfahrungen und Beschreibungen. Alles beginnt mit einer scharfsichtigen Gleichgültigkeit."

"Um es zu wiederholen: nichts von alledem hat wirklichen Sinn."

"Gerade das gibt ihnen diese größere Leichtigkeit bei der Verwirklichung dieses Werkes, wie die Erkenntnis der Absurdität ihnen das Recht gab, sich bis zum Übermaß hineinzustürzen."

David Ruelle "Zufall und Chaos"

"Schließlich wurde unser Gehirn nicht von der Evolution geformt, um Mathematik zu machen, sondern um uns bei der Jagt und der Nahrungsbeschaffung, beim Kriegführen, bei der Aufrechterhaltung unserer sozialen Beziehungen zu helfen."

"Zunächst bemerkt Schrödinger, daß der freie Wille anderer Leute kein Problem darstellt: Wir können eine vollkommen deterministische Erklährung aller ihrer Entscheidungen akzeptieren. Was die Schwierigkeiten erzeugt, ist der offensichtliche Widerspruch zwischen Determinismus und unserem freien Willen, der introspektiv durch die Tatsache charakterisiert ist, daß mehrere Möglichkeiten offen sind und daß wir unsere Verantwortung ausüben, indem wir eine wählen. Wenn wir Zufall in die physikalischen Gesetze einführen, dann hilft uns das keineswegs, diesen Widerspruch aufzulösen. Denn können wir etwa sagen, daß wir unsere Verantwortung ausüben, indem wir eine Wahl zufällig treffen? Die Freiheit unserer Wahl ist in der Tat illusorisch."

"Kurz, was unseren freien Willen erklärt und ihn zu einem sinnvollen Begriff macht, ist die Komplexität des Universums oder, etwas genauer, unsere eigene Komplexität."

F.H.C.Crick in "Gehirn und Kognition"

"Natürlich glaubt kein Wissenschaftler an einen Homunculus im Gehirn. Unglücklicherweise ist es aber einfacher, den Trugschluß des Homunculus darzulegen, als zu vermeiden, daß man ihm erliegt, denn wir alle kennen eine Illusion des Homunculus: das Ich. Vermutlich haben Stärke und Dauerhaftigkeit dieser Illusion ihre Ursache darin, daß es im Gehirn eine übergeordnete Kontrolle gibt. Nur: welcher Art diese Kontrolle ist, wissen wir bislang noch nicht."

"Es gibt keine wissenschaftliche Arbeit, die für den Menschen wichtiger ist, als die Untersuchung seines Gehirns. Unsere gesamte Weltanschauung hängt daran."

Richard Dawkins in " Das egoistische Gen"

" Klischee oder nicht, die Formulierung >>seltsamer als eine Fiktion<< drückt genau das aus, was ich bei der Wahrheit empfinde. Wir sind Überlebensmaschinen Roboter, blind programmiert zur Erhaltung der selbstsüchtigen Moleküle, die Gene genannt werden."
 

Jack Cohen und Ian Stewart in "Chaos und Antichaos ..."

"Manche Wissenschaftler, unter ihnen Roger Penrose in seinem Buch >Computerdenken<, führen den freien Willen auf die Unbestimmtheit der Quantenmechanik zurück. Diese Auffassung ist problematisch, nicht zuletzt deshalb, weil sie den freien Willen mit dem Roulette auf eine Stufe zu stellen scheint. Wir entscheiden nicht, wir werfen lediglich den Quanten-Würfel. Ist man dadurch nicht ebenso determiniert, wie wenn man gar keine Wahl hat?"

"Wir denken nicht nur, sondern wir denken auch, wir könnten unser eigenes Denken überwachen."

"Wenden wir Searls Argument auf Ihr Gehirn an, so bedeutet es, daß Sie bloß denken, Sie seien intelligent, während Sie in Wahrheit nichts anderes tun, als eine ungeheuer lange Liste von Regeln, Meta-Regeln, Meta-Meta-...-Regeln anzuwenden, die Sie von Ihren Eltern, Ihrer Kultur, der Schule, dem Fernsehen und so weiter übernommen haben. In Wirklichkeit sind Sie also nur eine dumme organische Maschine, und Sie exerzieren mechanisch etwas durch, ohne zu verstehen, was Sie tun."

"..., aber die Ansicht, das Gehirn sei nicht den Gesetzen der Physik unterworfen, ist nur eine kaum verhüllte Form des kartesianischen Dualismus."

"Die starke KI steht außer Frage. Natürlich ist eine intelligente Maschine möglich - im Prinzip."

"..., der Geist ist kein Ding, sondern ein Prozeß, und das woraus er hervorgeht, sind die kollektiven Wechselwirkungen entsprechend organisierter Teile gewöhnlicher Materie."

"In Wirklichkeit besitze ich gar kein Bewußtsein. Ich denke nur, ich hätte eines. Descartes sagte: >> Ich denke, also bin ich <<, doch überzeugender währe gewesen, wenn er gesagt hätte: >>Ich denke, daß ich bin<< ."
 
 

Spektrum-Interview mit Prof. Dr. Wolf Singer, Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung

...
"Singer: Und deshalb denke ich, dass das Problem des "freien Willens" daher rührt, dass wir Kulturwesen sind, Wesen mit Gehirnen, die uns in die Lage versetzt haben, eine Theorie des Geistes zu erstellen und damit kulturelle Konstrukte und soziale Realitäten aufzubauen, die für uns dann wiederum als Realitäten erfahrbar werden.

Spektrum: Ist denn das Erlebnis, sich frei für dieses oder jenes entscheiden zu können, nur ein soziales Konstrukt? Ist es nur tradiert? Haben es die frühen Menschen einmal irgendwie entwickelt, und ab dann ist es immer nur noch von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben worden?

Singer: So würde ich das sehen."


erstellt am 09.02.2002
Frank Michler